Gossip, Kunst und Kinship: Wie wir Fürsorge neu verhandeln

Shownotes

Marah Rikli trifft die transdisziplinäre Künstlerin und Hebamme Pascale Schreibmüller. Es geht um Gossip, was dieser Begriff eigentlich bedeutet und wie wir ihn heute wieder umdeuten können. Am KINship Festival leitet Pascale den Workshop „Gossip. Reclaim the Circle“ bei dem persönliche Geschichten buchstäblich zu einer schützenden Decke verwebt werden.

Ein Gespräch über abgebrochene Schwangerschaften, Trauer und Fürsorge.

Der Workshop mit Pascale Schreibmüller findet statt am 19. Juni um 17h30 in der Photobastei Zürich.
https://eventfrog.ch/de/p/festivals/kunst-kultur/gossip-reclaim-the-circle-workshop-7461704948549469349.html

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00:00:00: Im Mittelenglischen hieß der Begriff Gossip eine Gemeinschaft von vorwiegend Frauen, die sich gekümmert haben um Frauen in ihren Lebensübergängen, vorwiegende Schwangerschaft und Geburt.

00:00:13: Und Gossip kommt von Gott Siblings was sowas meinte wie Patten, Onkel oder Tanten eher im spirituellen religiösen Kontext und dann aber erweitert wurde eben in diese für sorgereiche Gemeinschaft, die auch sozialpolitisch superrelevant war.

00:00:32: Aus gesundheitlichen Gründen weil institutionell ja jetzt auch keine ausreichende Infrastruktur für sich Reckboten existiert haben und eben das Wissen dieser Frauen relevant war um gesund durch diese Ereignisse zu kommen.

00:00:49: Willkommen beim Kin Radio!

00:00:52: Kin Radio ist Teil von KIN dem feministischen Kunstfestival vom elften bis siebenundzwanzigsten Juni in Zürich.

00:01:00: Kin schafft Räume für Austausch und für Verbindung.

00:01:05: Kin versteht Feminismus auch als Kinship, als gewählte Nähe, als Verantwortung füreinander und als solidarisches Miteinander.

00:01:16: Mehr zum Festival auf kinship.ch oder auf Instagram.

00:01:22: Willkommen bei einer neuen Folge von Kinradio.

00:01:26: Mein Name ist Mara Rikli, neben mir sitzt... Pascal Schreibmüller in einem sehr lustigen Setting.

00:01:35: Wir werden euch gleich mehr davon erzählen.

00:01:37: Technik ist definitiv nicht meine Stärke, das werdet ihr in diesem Kinradio auch immer wieder erfahren.

00:01:46: Ich bin sehr froh dass Pascal das gelassen nimmt und ja immer wieder mir jetzt hier geholfen hat um uns einzurichten.

00:01:53: Hallo Pascal!

00:01:57: Pascal, du bist am Kin-Festival in unterschiedlichsten Rollen involviert.

00:02:03: Was mich sehr freut.

00:02:05: Magst du dich kurz vorstellen in deinen eigenen Worten?

00:02:09: Ich bin ... Tatsächlich sehr unterschiedlich vertreten.

00:02:12: Ich würde mich selber auch als ein transdisziplinäres Subjekt bezeichnen, ich bin seit fünfundzwanzig Jahren Hebamme, seit zweitausendundfünf am Geburtshaus Delphis immer noch praktizierend und habe Kunst studiert und bin eine transdiszieplinäre Künstlerin.

00:02:29: Ich arbeite mit Performance Sounds sehr konzeptuellen Installation auch und eher sozialen Praktiken wie Workshops.

00:02:39: Genau, ich identifiziere mich als Queer und lebe seit vierzehn Jahren in einer Hausgemeinschaft zu vierzehnt!

00:02:46: Das wär so ich?

00:02:48: Vertreten war ich schon im März.

00:02:50: Ich wurde von dir eingeladen bei Queer Family mit Chris Caprez und Lisa Bendig zu queeren, Lebensentwürfen, Möglichkeiten, Verantwortung innerhalb dieser Gesellschaft zu sprechen – das war ein sehr toller Abend!

00:03:03: Vielen Dank dafür!

00:03:05: Und darf jetzt eine Installation zeigen an der Kinnausstellung in der Fotobastai und habe da eine Arbeit mit dem Titel Gossip und beschäftige mich, wie in meiner Forschung auch zu... Verlust im Kontext von Schwangerschaften und das ist ein sehr breites Thema.

00:03:27: Verluste innerhalb von Schwangenschaftskontext sind natürlich sehr unterschiedlich ausgelegt, von Schwangeschaften die schon bestanden haben an den Todgeboten enden aber auch Schwangersschaften die nicht gewünscht sind oder die Zweifel bringen auch im Kontex zum Beispiel von schweren fötalen Diagnosen usw.

00:03:46: Also die Palette ist enorm breit.

00:03:47: was alle gemeinsam haben ist dass es eigentlich eine sehr kleine oder inexistente, diskursive Verhandlungen zu den Themen gibt und deshalb öffne ich über diese Themen Räume jetzt im künstlerischen oder sozial praktischen Kontext um eben dieser Geschichten in Resonanz zu bringen.

00:04:06: Und auch konkret darüber nachzudenken was es gesellschaftlich braucht um Gehör zu verschaffen.

00:04:12: Ja, du hast uns jetzt schon ein bisschen mitgenommen in deine Arbeit.

00:04:15: Eben einerseits kann man deine Arbeit in der Ausstellung besuchen und erforschen auf sich wirken lassen vom elften bis siebenundzwanzigsten Juni im dritten Stock der Fotobasti.

00:04:29: Und dein Workshop – jetzt muss ich sogar spicken!

00:04:33: Das findet am neunzehnten Juni von siebzehn- dreißig bis zwanziger Dreißig statt auch in den Ausstellungsräumen.

00:04:44: Du hast jetzt schon ein bisschen erzählt davon und auch noch von diesem Queer Family Talk, du sagst interdisziplinär – das ist ja vielleicht ein Begriff, der nicht allen immer so geläufig ist.

00:04:58: Verstehe ich das richtig?

00:04:59: Dass ich es so verstehen kann dass du in unterschiedlichen Feldern unterwegs bist, dass du mit unterschiedlichsten Medien arbeitest unterschiedlichsten Menschen, Themen und gleichzeitig sehe ich aber hier auch immer eine Verbindung.

00:05:15: oder du transportierst vom einen Bereich in den anderen von deiner Hebammenarbeit zum Beispiel in deine Kunst.

00:05:22: Du hast gesagt, du lebst gemeinschaftlich also von der privaten Situation in Arbeit für Gemeinschaften Bevor wir über Gemeinschaft und auch den Begriff Kindship sprechen, wo du sicher sehr viel dazu zu saugen hast.

00:05:40: Möcht ich nochmals diesen Begriff von Gossip besprechen?

00:05:44: Dein Workshop heißt ja auch Gossippen.

00:05:47: Ich kenne das von Freundinnen, dass wir so in die Frauenbaudi sitzen Und dann sage ich So magst Du Gossips!

00:05:56: Und damit es gemeint Magst du zuhören, was ich denke über das und das oder vielleicht die das Neuste, was sich erfahren habe in diesem Freundeskreis?

00:06:06: Und mir Gedanken machen.

00:06:08: Oder über eine Person, die in der Öffentlichkeit steht etwas erfahren haben.

00:06:12: Und dann mich immer schon ein bisschen entschuldigen und sagen so Ja also ich meine im Valkussi bin positiven Sinne können wir uns ein bisschen... weil ich lässere ja nicht!

00:06:20: Das mache ich auch nicht.

00:06:21: Also es ist eigentlich negativ behaftet, konnotiert.

00:06:26: Du eroberst diesen Begriff wieder zurück oder du erklärst, was dieser Begriff ursprünglich hieß.

00:06:33: Magst du uns da ein bisschen mitnehmen?

00:06:35: Wie du schon richtig sagst ist Gossip sehr negativ behaftet und deshalb kann ich vielleicht einen kurzen geschichtlichen Rückblick geben.

00:06:43: im Mittelenglischen hieß der Begriff Gossip also im Mittelalter eine Gemeinschaft von vorwiegend Frauen die sich gekümmert haben um Frauen in ihren Lebensübergängen vorwiegend Schwangerschaft und Geburt.

00:06:59: Und Gossip kommt von Gott Siblings, was sowas meinte wie Parten, Onkel oder Tanten eher im spirituellen religiösen Kontext.

00:07:10: Dann aber erweitert wurde eben in diese fürsorgereiche Gemeinschaft die auch sozialpolitisch superrelevant war aus gesundheitlichen Gründen weil institutionell ja jetzt ausreichende Infrastruktur für sich Reckbutten existiert haben und eben das Wissen dieser Frauen relevant war, um sozusagen gesund durch diese Ereignisse zu kommen.

00:07:35: Das hat dann auch umfasst zum Beispiel psychische Unterstützung aber auch sehr physisch im Sinne jetzt von einem gehalten Werden durch die Geburt oder durch das Wochenbett.

00:07:47: damals der Sprachgebrauch Das Wochenbett-Wochenstube.

00:07:52: Es dauerte sechs Wochen in der Regel, dass auch in mittelalterlichen Texten als Festivitäten unter den Frauen beschrieben wird, wo es wohl ziemlich lustig zu und hergekommen ist.

00:08:04: Deshalb wurde staatlich Restriktion aufgelegt um diese Zeit zu verkürzen, weil die Frauen dann den ehemaligen Pflichten nicht mehr nachkamen.

00:08:14: Die Brücke heute ... dass eben im Verlauf des sechzehn und siebzehnten Jahrhunderts mit der Hexenverfolgung, der Verfolgung von Frauen aber auch anderen Minoritäten dazu geführt hat.

00:08:28: Dass eben Misogyny-Frauenfeindlichkeit maximal sich ausbreitete und Frauenwissen bockertalisiert wurde bzw.

00:08:37: dadurch, dass eben Frauen in die häusliche Sphäre verbannt wurden das Wissen einfach auch nicht mehr ernst genommen wurde Und von Männern angeeignet was jetzt im Kontext von Geburtshilfe meint Das eben Männer sozusagen Die Wissenden wurden in Bezug auf Prozesse die Frauen betrafen und die auch auf eine sehr hierarchische und unschöne Art und Weise ungeeignet haben.

00:09:02: Und heute gilt eben eigentlich Gossip als Frauengeschwätz im eher abwertenden Sinne, natürlich hat sich das auch innerhalb unserer Gesellschaft neu etabliert im Sinne von Eben.

00:09:13: also wir können Gossip schon auch wieder positiv irgendwie anwenden aber ich finde es halt super interessant Gossip gerade in diesen Transitionen wie Schwangerschaft und Gebot neu zu denken, weil meines Erachtens eben die sozialen Gruppen rund um diese Ereignisse schlicht fehlen.

00:09:31: Und die ganzen Prozesse auch sehr privatisiert sind uns auch ein Geschäft, ein geburtshilfliches Geschäft der Angst ist, die viele Menschen verunsichern und ich wünsche das gebe viele niederschwelligere soziale Gefüge, die eben diesen Wissensaustausch teilen könnten.

00:09:50: Das ist so.

00:09:50: die Resonanz.

00:09:52: und die andere Frage, die du mir gestellt hast im Kontext auf interdisziplinär.

00:09:56: Ich sage ja immer transdisziplinär.

00:09:57: das hängt damit zusammen dass ich Transdisziplanarität im Maße an der Kunstschule studiert habe und trans spielt hat wie noch mehr mit durch hindurch während inter sozusagen zwischen den verschiedenen Disziplinen ist.

00:10:10: und ich mag sehr gerne das Tranz, weil ich schon sagen würde etwas was ja schon eine große Rolle spielt in vielen unserer Leben ist dass wir gleichzeitig so vieles sind.

00:10:19: Ja also wir sind nicht nur oder Ich bin nicht nur Hebamme zu ihr Künstlerinnen theoretikeln Zwischen den Disziplin sondern es ist ja eigentlich eine Gleichzeitigkeit wo das eine des anderen auch schmeißt.

00:10:33: Und deshalb ist mir heute auch so wichtig in die Themen zusammenzudenken, weil ich da einen großen Fundus dazu habe und gar nicht mehr so das Bedürfnis hab alles zu trennen.

00:10:44: Also lange Zeit als ich noch nicht so im akademischen Bereich war hatte ich keine Ahnung ganz ehrlich gesagt was Transdisziplinarität bedeutet oder auch ein Interdisziplinär vielleicht eine bisschen Vorstellung hat aber es ist sehr abstrakt empfand.

00:11:00: Und auch am Kin-Festival möchte ich dazu einladen, dass wir solche Fragen stellen dürfen.

00:11:06: Wo wir vielleicht Angst haben das wir dann nicht genug gebildet wirken oder so und ich glaube Sprache ist wichtig auch immer wieder zu erfragen verstehe ich dich richtig?

00:11:17: was möchtest du damit sagen?

00:11:19: Wir müssen nicht alles wissen.

00:11:20: dafür sind wir da dass wir miteinander sprechen können.

00:11:24: also danke hast du das nochmal so aufgenommen.

00:11:27: Wir gehen ganz viele Gedanken dort im Kopf.

00:11:29: Einerseits persönliche, weil ich ja auch zwei Kinder geboren habe per Kaiserschnitt bei.

00:11:33: das waren schwierige Schwangerschaften.

00:11:36: Bei meinem ersten Kind es ist jetzt einundzwanzig Jahre alt was sich immer ein bisschen abstruß empfinde dass ich einen einund zwanzig jahre alter Sohn

00:11:45: habe

00:11:46: Und da ist es super, ich grüße ihn hier auch einfach mal weil ich irgendwie sehr viel über Frauen spreche und gerade eine Phase habe wo ich sehr beeindruckt bin von ihm und seinen Freunden was für Prozesse gehen.

00:12:02: Gut, klar mal zu.

00:12:04: Aber das vor einigen Jahren hatte ich diese Vorstellung.

00:12:07: Ich wollte eine Hausgeburt.

00:12:09: Es war für mich total klar ... Meine Mutter hat natürlich alle drei Kinder geboren.

00:12:14: Ich wurde sehr geprägt und wir haben auch gemeinschaftlich gewohnt.

00:12:19: Und es war für sich völlig klar, dass ich in eine Haus Geburt mache.

00:12:25: Wenn das nicht geht dann ... Ein Geburtshaus, aber sicher nicht ins Spital und schon sicher kein Kaiserschnitt.

00:12:33: Und das kam dann alles anders.

00:12:35: Ich hatte eine Schwangerschaftsvergiftung, eine sehr seltene und schwere.

00:12:40: Bei meinem zweiten Kind, meiner Tochter, die jetzt zwölf Jahre alt wird und mit einer Behinderung lebt war ich natürlich Risikoschwanger.

00:12:48: Da ging nach der Geburt auch alles drunter und drüber weil ... Etwas wie nicht so ist, wie ich es jetzt als quasi starkes Neugeborenes definieren würde.

00:13:00: Sondern mir sehr große Sorgen machte weil ich spürte irgendwas ist genau und danach war ein großes Thema weitere Kinder zu bekommen und das hat dann nicht geklappt und Ich war noch dreimal schwanger und habe das hatte dann Aborte Und da sind ja große Tabus Und jetzt auch so beim Zuhören passiert das vielleicht schon, sogar wenn ich das ausspreche.

00:13:25: Ich sage, darf ich das sagen?

00:13:26: Ist es nicht zu persönlich?

00:13:29: Da möchte ich dir einfach auch danken dass du dieses Thema in unsere Räume bringst, dass wir eben miteinander auf diese Art und Weise wie wir das möchten uns auseinandersetzen können mit diesen Themen weil es ist ja auch ein Verlust für mich war zum Beispiel dachte, ich habe eine Hausgeburt.

00:13:51: Und dass er nicht so eintraf.

00:13:52: und natürlich war ich auch in Trauer als sich nicht weitere Kinder also mit weiteren Kindern längere Zeit schwanger sein durfte und das Kind dann gebärm was mich darin auch beschäftigt ist.

00:14:08: so wenn ich jetzt in diesen Workshop komme wie Gestaltest du diesen Raum?

00:14:15: Oder was braucht noch aus deiner Erfahrung die Frauen, die in diese Räume kommen.

00:14:19: Die jetzt vielleicht auch sehr viel so erzählen wie ich das mache.

00:14:23: Ich habe dich nicht gefragt ob das okay ist.

00:14:26: Da kommt ja sicher sehr viel.

00:14:29: und wie hältst du den Raum?

00:14:31: oder was muss ich mir vorstellen wenn ich in diesem Raum komme?

00:14:34: zu dir zum Gossip Workshop?

00:14:36: Ja, vielen Dank fürs Teilen.

00:14:38: Ich finde interessant, dass du sagst ... Dass du quasi drüber nachdenkst ob das okay ist oder nicht?

00:14:43: Oder ob du um meinen Konsens fragen müsstest weil es eigentlich schon bezeichnend für die Tabuisierung des Themas ist.

00:14:50: Also warum kann ich dir über meine wohnlichen Zukunftsängste berichten und du nicht über deine Aborture?

00:14:57: ja Weil das genau der springende Punkt ist.

00:14:59: Deine körperliche Transformation in Kontext von Schwangerschaft also im Guten wie im schlechten haben dich eben geprägt.

00:15:07: Also als Privatperson, aber auch in einer gesellschaftlichen Beziehung wie du sprichst über was du nicht sprichest und so weiter.

00:15:15: Und das geht es mir genau.

00:15:17: ja weil ich denke dass sozusagen viel über Geburten gesprochen wird oder Schwangerschaften in öffentlichen Diskursen im Sinne von.

00:15:27: Es gibt eine Präsenz und eine Wichtigkeit darüber Aber wie's den Menschen dabei geht?

00:15:32: Und was sie erfahren Und wie auch ihre Holungsphasen, Nachtengebote und so weiter sind ja darüber wird eigentlich überhaupt nicht gesprochen.

00:15:42: Es ist eine enorm große Zahl, statistisch gesehen die Verluste verzeichnet eben in unterschiedlichsten Kapitel rund um Schwangerschaft und eigentlich müssten wir davon ausgehen dass so circa jede zweite bis dritte Person mit Uterus, mit Verlustgeschichten konfrontiert ist und insofern eine Betroffene im Sinne einer Erfahrung.

00:16:07: Jetzt die Workshops sind natürlich für mich auch immer ein bisschen experimentell weil einen Raum öffnen ja auch immer riesigen birgt das heißt Dinge geschehen, die ich so nicht voraussehen kann.

00:16:20: Aber ich kann auch sagen, ich habe natürlich eine große Professionalität in meinem eigenen Erfahrungsfund, vor allem als Hebamme also einmal in der Begleitung von Verlusterfahrungen in der Schwangerschaft aber auch ganz generell mit Menschen zu arbeiten und ihre Geschichten auch zu hören und zu bearbeiten.

00:16:39: vom Raum her ist es so dass ich eigentlich immer mit einer praktischen Tätigkeit beginne.

00:16:43: In diesem Fall ist das jetzt ein Weben was ganz pragmatisch handwerklich ist, wo wir mal einsteigen und uns für Knügel mit kleinen Mini-Vibrahmen.

00:16:56: Und von da dann das Angebot aufgeht Geschichten zu teilen.

00:17:02: Das ist in dem Sinne wirklich auch kein therapeutisches Setting oder sowas sondern Raum umzutun.

00:17:09: zuzuhören und zu erzählen.

00:17:12: Und sehr symbolisch, auch wortwörtlich werden dann die Geschichten in diese kleinen Webekarros verwebt, die dann auch symbolisch so eine Schutzdecke heranwachsen.

00:17:23: In diesem Raum muss nichts – kann aber alles!

00:17:26: Was natürlich immer anspruchsvoll ist in so einem Raum, dass die Verlustgeschichten sehr unterschiedlich sind.

00:17:31: Ich denke jetzt zum Beispiel daran, dass es ganz andere Dispositiven sind wenn Eine Person hat einen Verlust erfahren, obwohl die Schwangerschaft gewollt war.

00:17:43: Versus eine Schwangersschaft ist nicht Gewalt und die ungewollte Schwangenschaft bringt eine Verlusteerfahrung.

00:17:50: Da entstehen auch Spannungsfelder.

00:17:52: aber da wünsche ich mir natürlich dass eben auch die einzelnen Geschichten nebeneinander Raum finden können ohne das jetzt unbedingt eine Bewertung innerhalb der Logik von was es schlimm oder nicht schlimm selbst wenn sie natürlich auch sehr intuitiv einfach mal festgestellt werden können, aber dass wir uns da auch üben die unterschiedlichen Geschichten so anzunehmen wie sie sind.

00:18:18: Ich

00:18:18: glaube das was du jetzt auch sagst bringt mich auch dorthin, dass wir gleichzeitig einen Raum haben können wo Trauer kommen kann und im gleichen Raum Freude erfahren können oder dass wir, nachdem wir die Trauer zugelassen haben vielleicht mit positiven Gefühlen aus diesen Räumen können.

00:18:41: Oder dass wir gleichzeitig Verlust erleben und Entlastung erleben können.

00:18:46: Dass wir gleichzeitig erschöpft sein können und für gewisse Projekte, Themen, Menschen Energie aufbringen können.

00:18:55: Und ich glaube das ist das was mich auch so freut, dass du dabei bist weil ich mich da In deiner Arbeit einfach sehr.

00:19:04: Abgeholt fühle, was das betrifft.

00:19:06: Also auch in all deinen unterschiedlichen Feldern.

00:19:09: Du bist Hebamme und machst diese Workshops Begleitest Frauen durch freudige und traurige, doch extrem anstrengende Geburtsphasen sage ich mal jetzt zu euphorischen Phasen von Verlust über Geschenk.

00:19:24: also alles ist da drin Und auch in deiner Arbeit.

00:19:27: wo ich noch darauf hinweisen möchte ist dass du ja auch noch auf der Bühne bist bei der Wernissage mit Big Cis auch DJ, DJ Scarlett und da finde ich es auch so wenn man dir dann zuschaut.

00:19:40: Da bist du ja auch in dieser Freude.

00:19:42: also dein Gesicht geht ja dann total auf und man spürt diese Freude und die Musik und eben diese Gleichzeitigkeit.

00:19:50: Man kann gleichzeitig durch unterschiedlichste Gefühle gehen und in unterschiedlichen Feldern tätig sein und das muss nicht ein Widerspruch sein.

00:19:59: Und eben das was du ja zu Beginn gesagt hast dass Transdisziplinäre dir gefällt, weil wir ja ganz vieles sind.

00:20:07: Ganz vieles bringt mich noch zum Begriff eben von Kindship.

00:20:11: also wir sind ja ganz viele hoffentlich auch ganz viele die das Festival besuchen.

00:20:17: es sind ganz viele Menschen in diesem festival involviert.

00:20:22: Das ist ja alles sehr, ich habe gesagt organisch gewachsen.

00:20:25: Das war nicht so dass wir ein Ziel hatten.

00:20:28: okay wir möchten einen Festival machen mit hundert Menschen und Räumen und fifty vier Veranstaltungen im Programm haben und zwanzig Flinterkünstlerinnen usw.

00:20:37: sondern das ist wie einfach passiert.

00:20:40: Und die Motivation dahinter war zuerst der feministische Streik am vierzehnten Juni, dass wir diesen nicht nur einmal einfach diese paar Stunden auf der Straße haben sondern das Thema was politisch am Streik auf der Strasse ist in Räume getragen wird und künstlerisch bearbeitet wird.

00:20:59: Und dass wir einfach mal diese sechzehn Tage haben wo wir uns diesen Themen widmen.

00:21:06: Und andererseits war es aber auch, dass ich nach etwas gesucht habe, wo ich eine Handlungsfähigkeit drin habe in dieser Zeit.

00:21:14: Wo ich so oft ein Ohnmachtsgefühl habe und das war dieses Thema von Verbindung.

00:21:19: Wie schaffe ich Verbindung?

00:21:20: Dann kam ich auf diesen Begriff.

00:21:22: oder dann haben wir überlegt okay wie nennen wir das Festival.

00:21:25: Dann kamen wir schon recht schnell auf den Begriff Kindship da ein bisschen erzählen, weil du ja in deiner Arbeit schon lange Zeit mit dem Begriff Kindship auseinandersetzt.

00:21:43: Was es für dich bedeutet, Kind oder Kindship?

00:21:47: Vielleicht noch um auf deine Beschreibung zurückzukommen wie das Festival entstanden ist würde ich sagen... Ich würde mich wehren!

00:21:58: zu sagen, dass das einfach so passiert ist.

00:22:02: Also ich meine da steckt ja schon eine enorme Arbeit von dir und deinem Team dahinter wofür ich mich übrigens auch sehr bedanken möchte.

00:22:11: Und ich würde sagen, da greift ja auch der Begriff Kindship schon sehr stark.

00:22:15: Weil Kindship ist Vernetzungsarbeit.

00:22:18: Kindship is Beziehungsarbeit über die biologischen Familien und heteronormativen Organisierungskontexte von Beziehungen hinaus.

00:22:29: Ja?

00:22:29: Das spiegelt sich in dieser Veranstaltung nämlich das.

00:22:33: sozusagen diese Arbeit nenne es auch bewusst Arbeit, weil Beziehungen sind für mich eben auch Fürsorgearbeit.

00:22:43: Die spiegelt sich darin und insofern ja herzliche Gratulation zu diesem Kindship!

00:22:51: Für mich bedeutet Kindship Eine relevante Auseinandersetzung meines eigenen Queersigns, gerade weil ich in einem sehr jungen Alter entschieden habe keine heteronormativen Familienkonstrukte zu leben.

00:23:06: Aus Unwille aber auch aus meinem Sein das sozusagen nicht wünschte oder suchte und auch so eine Notwendigkeit entstand darüber nachzudenken wie organisiert sich eins eigentlich in der Gesellschaft die in so vielen Facetten vorgibt, wie eins zu leben hat.

00:23:28: Und da bin ich dann früher oder später auf den Begriff Keen von im Kontext Donna Haraways gestoßen.

00:23:36: and staying with the trouble, wo Donna Hiraway eben vorschlägt die Familie auch ... Oder den Kindship weiterzudenken als nur auf das menschliche soziale Netz nämlich viel Relationale also mit allem was und so äh Umgibt.

00:23:51: Also da ist unsere Umwelt mitzudenken, Tiere alles ja was uns so durchquert in unseren Leben und das fand ich super interessant auch noch mal konkreter auf ein queeres Leben nachzudenken, gerade auch zum Beispiel in der Pandemie.

00:24:10: Wo die Regulierungen sehr stark wieder auf heteronormative Familiengefüge zurückgeworfen waren, wo ich

00:24:15: z.B.,

00:24:16: die in einer Gemeinschaft mit dreizehn anderen Personen so völlig vor den Kopf gestoßen war.

00:24:21: Also was bedeutet das für uns?

00:24:22: Wir sind ja prinzipiell schon mehr als vier und dann haben wir alle auch noch andere Kindships usw.

00:24:28: Es war gar nicht realisierbar, darauf gab es keine Antworten.

00:24:32: Das sind so Momente, die auch zeigen wie bedrohlich es ist in einem Leben zu leben das eben nicht normativ sich organisiert.

00:24:40: Weil es wenig Vorbilder gibt weil es wenig Infrastruktur und überhaupt Architektur und so weiter dazu gibt Und dass auch ein ständiges sich neu erfinden ist und ich habe darauf natürlich auch keine Antworten aus.

00:24:54: viel mehr erlebe ich das als einen ständigen Prozess den ich gerade insbesondere jetzt auch mit dem älter werden.

00:25:03: Zum Beispiel noch mal präsenter für Folge, weil ich da wieder komplett neue Fragen habe was heißt es eigentlich älte zu werden ohne die Stütze der Nukleonfamilie, die sozusagen soziale Systeme aufrecht.

00:25:19: Der hätte das ja natürlich in der Praxis auch überhaupt nicht stimmt, aber halt immer so suggeriert wird und schon leben.

00:25:26: Also wir leben wie Fürsorge praktizieren außerhalb von normativen Organisierungen.

00:25:34: Ja, die Pandemie geht ja immer so schnell.

00:25:36: Also da wird nicht mehr so viel darüber geredet.

00:25:39: und auch wenn ich Tagveranstaltung mache wie jetzt Queer Family wo du auch auf der Bühne warst... Ich finde es einfach trotzdem immer mal wieder wichtig das aus Beispiel zu nehmen weil's einfach soviel gezeigt hat einerseits von Vereinzelung sowas es bedeutet plötzlich auf auf diese quasi Kernfamilie reduziert zu sein.

00:25:59: Also was ist, wenn ich auch eben im Kontext von Verlust ... Was löst das in mir aus?

00:26:04: Wenn vielleicht ja ich alleine lebe, Einsamkeit erlebe dann oder wenn ich keine Kernfamine in diesem Sinne habe, zum Beispiel Pflegekinder oder Jugendliche in Heimen die extrem isoliert waren Ich damals noch in einem heteronormativen Konstrukt habe mich total schnell gefragt, weil ich ja dann gemerkt habe so heteronom ist es gar nicht.

00:26:30: Weil ganz viele Menschen mit uns eigentlich in Verbindung sind.

00:26:34: und wer gehört jetzt zur Familie?

00:26:36: Und wer

00:26:36: nicht?!

00:26:38: Und ich wurde da relativ schnell recht wütend nicht gegen Maßnahmen.

00:26:42: Das habe ich immer in dem Sinn akzeptiert, einfach weil meine Tochter mit der Behinderung und in der heilpädagogischen Schule das Thema natürlich von chronischen Erkrankungen sehr präsent war aber einfach die Art und Weise und wer wird eingeschränkt?

00:26:56: Und dass wir aber in einem Einkaufszentrum ganz viel kaufen dürfen mit anderen Menschen, die wir nicht kennen, aber nicht mit unseren Liebsten zusammen sein dürfen.

00:27:07: Wir sind schon am Ende dieser Kinradio-Folge.

00:27:11: Wie ihr vielleicht merkt, könnten Pascal und ich wahrscheinlich jetzt hier noch ein endloser doch irgendwann hätte die Folge einen Ende.

00:27:19: aber einfach wir hätten sicher noch viel zu sprechen.

00:27:22: Ich hoffe wir sprechen weiter miteinander.

00:27:25: Kommt auf uns zu am Festival Und danke vielmals Pascal dass du dir die Zeit genommen hast und auch die technischen Pannen in Kauf genommen hast.

00:27:35: Vielleicht machen wir noch ein Foto für Instaville das jetzt gemacht haben, also danke dir vielmals!

00:27:43: Danke dir vielmas Mara.

00:27:44: ich freue mich sehr aufs Festival.

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