Queer Family - Elternschaft & Fürsorge neu denken

Shownotes

Wie entstehen Familien ausserhalb klassischer Rollenbilder? In diesem Deep Talk brechen wir normative Erwartungen auf und sprechen über queere Familienschaft, Gemeinschaft, Geburt und geteilte Verantwortung. Im Gespräch sind die Autorin und Journalistin Christina Caprez, die Autorin Lisa Bendiek und die Hebamme und Kunstschaffende Pascale Schreibmüller. Ausgehend von Literatur, Hebammenarbeit, Kunst und eigenen Erfahrungen verbinden wir persönliche Geschichten mit gesellschaftlicher Analyse. Wir diskutieren, wie Fürsorge abseits starrer Rollen verhandelt wird, was es bedeutet, Kinder ohne normative Zwänge zu begleiten, und welche Strukturen queere Familien für Sicherheit und Sichtbarkeit brauchen. Ein Gespräch über das, was uns hält, und darüber, warum Familie immer auch eine politische Entscheidung ist.

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00:00:00: Zum Beispiel mag ich sehr gerne den Griff Kinship von Donna Haraway.

00:00:05: Kin meint Verwandtschaft, aber mehr in einem Wahlverwandtschaftskontext.

00:00:26: Und das kontrastiert sie sehr stark mit Heteroscheidungen, die dann üblicherweise bedeuten.

00:00:33: Die Verwandtschaftsbeziehung ist zu Ende und folgert daraus wie ich finde total plausibel dass eben queere Beziehungen die viel stabilerinnen, die viel langfristigeren und die viel umfassenderen familiären Zusammenhänge stiften weil sie eben nicht durch Trennung auflösbar sind.

00:00:53: Willkommen beim Kinradio!

00:00:56: Kinradio ist Teil von Kin, dem feministischen Kunstfestival vom elften bis siebenundzwanzigsten Juni in Zürich.

00:01:05: Kin schafft Räume für Austausch und für Verbindung.

00:01:09: Kin versteht Feminismus auch als Kinship, als gewählte Nähe, als Verantwortung füreinander und als solidarisches Miteinander.

00:01:20: Mehr zum Festival auf kinship.ch oder auf Instagram.

00:01:44: Hallo zusammen, die letzten kommen noch in den Raum.

00:01:49: Vielleicht schleichen auch noch welche rein?

00:01:51: Ich weiß nicht wie das Wetter aussieht draußen ob schon der Schneesturm vorbeigezogen ist und ein Meter Schnee liegt oder ob ihr hierher gekommen seid.

00:02:02: auf jeden Fall vielen Dank.

00:02:04: seid ihr hier und herzlich willkommen im Comedy House bei einer neuen Ausgabe vom Deep Talk.

00:02:13: Dieser Deep Talk wird neu aufgezeichnet und ich möchte mich ganz herzlich beim Haus bedanken hier, dass das möglich ist und ich messe mich auch zuerst bevor ich dann meine drei Gästinnen vorstelle.

00:02:28: Ja, einfach nochmals ganz herzlich bedanken.

00:02:30: Dass ihr immer wieder den Weg hierher findet und dass dieses Haus hier das möglich macht Und ich möchte mich ganz herzlich bei allen Helferinnen bedanken.

00:02:40: Ohne sie werde es nicht möglich ohne diese unsichtbare auch Kehrarbeit Diese Unterstützung für mich in diesem Talk.

00:02:48: Wer das nicht machbar Bitte doch einen herzlichen Applaus Für die Menschen, die jetzt nicht auf der Bühne

00:02:54: sind.

00:03:03: Wir sprechen heute über das Thema Queer Family, Begriffe die wir heute miteinander auseinander nehmen.

00:03:12: Ich möchte euch doch schon mal bitten im Publikum dieses Wort Queer family oder diese Begriefe queer und family für euch mal kurz zu sortieren.

00:03:24: was beschäftigt euch aktuell darin?

00:03:27: Oder was bedeutet für euch Familie, Queerness?

00:03:32: und am Schluss können wir schauen ob sich das vielleicht auch verändert hat.

00:03:36: Das finde ich ein spannendes Experiment.

00:03:39: macht doch mit wenn ihr das mögt.

00:03:43: jetzt höre ich aber auf hier allein zu sprechen und möchte euch ganz herzlich meine Gästinnen vorstellen.

00:03:50: links von mir sitzt Christina Capres.

00:03:55: Christina ist Autorin Moderatorin lebt als Mutter in einer Co-Elternfamilie und beschäftigt sich schon sehr, sehr lange mit dem Thema vielfältige Familienmodelle.

00:04:11: Christina hat unter anderem die Bücher Die Illegale Pfarrerin geschrieben, Queer Kids, Familienbande.

00:04:18: Herzlich willkommen Chris!

00:04:28: In der Mitte dieser gemütlichen Couch ist Sitz Pascal Schreibmüller.

00:04:34: Pascal ist vieles, das haben wir schon im Backstage besprochen was ich jetzt alles aufzähle.

00:04:41: du ergänzt mich dann falls ich etwas Wichtiges vergessen habe Du bist kunstschaffende Person, du bist Hebamme!

00:04:48: Du bist DJ, du schreibst auch und in all deiner Arbeit geht es um Kunst, Text, um Arbeit, Kerarbeit, um Körper und ich freue mich sehr, bis du hier bist.

00:05:11: Und neben dir sitzt Lisa Bandiek.

00:05:13: Herzlich willkommen, Lisa!

00:05:15: Du bist heute aus Leipzig angereist was schon den ja fast ganzen Tag im Zug zum zweiten Mal in Zürich.

00:05:23: Ja?

00:05:24: Du bist Autorin, du bist politische Bildlerin und du bist auch Mutter mit einer anderen Mutter und einem dritten Elternteil.

00:05:35: Du schreibst schon lange über queeres Leben, über Familie, über Kehr und verbindest auch wie ich glaube wir alle hier auf der Bühne persönliche Erfahrungen mit gesellschaftlichen Fragen.

00:05:49: Herzlich willkommen Lisa!

00:05:58: Ja jetzt habe ich euch so... Normiert vorgestellt, so wie man das macht in diesen Talks.

00:06:05: Habe ich was Wichtiges vergessen Pascal?

00:06:09: Ich habe gesagt du machst vieles und bist vieles.

00:06:13: Ist es komplett, was ich hier gesagt habe?

00:06:16: Es ist

00:06:16: bestimmt nicht komplett aber es reicht komplett.

00:06:21: für diesen Abend würde ich sagen.

00:06:24: Allerdings in Resonanz mit den Familiengefügen würde ich einfach noch erwähnen, dass ich mit elf Erwachsenen und drei Kindern im gleichen Haushalt lebe.

00:06:34: Genau!

00:06:35: Danke für das.

00:06:36: du hast es mir erzählt.

00:06:37: Das ist mir in der Aufregung des Gefechts vergessen gegangen Und auch das?

00:06:42: Ich werde dann immer gefragt bist du noch aufgeregt vor diesen Talks?

00:06:45: und ich spreche es immer gerne aus ja weil ich finde Ich spreche auch gerne von Anfang an mal auf, dass alles hier perfekt sein muss und alles durchorchestriert ist.

00:06:58: Nein wir werden sehen was passiert.

00:07:00: wie gehen in die Themen?

00:07:02: vielleicht weichen wir auch ein bisschen davon ab.

00:07:05: ich versuche immer wieder zurück zu kommen aber ich möchte euch hier auf der Bühne und euch auch im Publikum dazu einladen das wir wenigstens ab und zu ein bisschen unsere Masken ablegen dürfen.

00:07:18: Also danke für diese Ergänzung.

00:07:20: Pascal, wenn du jetzt so hörst Queer Family wir gehen in diesen Themen was beschäftigt dich aktuell am meisten darin?

00:07:32: Also unlangst beschäftigt mich vor allem queeres Altern.

00:07:38: das ist eine neue Erfahrung von mir selbst als bewusste Erfahrung, die mich auch besorgt.

00:07:45: Ich lebe eigentlich schon immer mit vielen Menschen zusammen und hatte auch immer so diese

00:07:52: juvenile

00:07:53: Vision gemeinsam in Kollektiven zu altern und stelle aber eben in der jetzigen Phase meines Lebens fest dass sich da Verschiebungen ergeben, also in meinen eigenen Ressourcen und Kompetenzen.

00:08:10: Dass ich mich auch immer wieder nach weniger Arbeit unter dem Dach sozusagen sehne, nach mehr Rückzugsmöglichkeit, nach weniger Repetition auch innerhalb dieses großen Gefüges usw.

00:08:23: Und gerade in der Stadt Zürich fürchte ich mich tatsächlich ein bisschen vom Älterwerden und stellen mir wieder neu auf die Frage Wie alt werden gerade auch, also weil ich jetzt keine klassische Kernfamilie lebe?

00:08:41: Ich habe keine Kinder und so weiter.

00:08:45: Wo ich mir die Frage wieder neu stelle wie das so wird.

00:08:49: Hast

00:08:49: du schon Antworten darauf

00:08:51: gefunden?

00:08:53: Nein!

00:08:55: Vielleicht finden wir welche heute oder suchen gemeinsam danach.

00:09:00: queer Altern, queer Family Alter ist ja nicht das, was man gerade zu Beginn von so einem Tag erwartet.

00:09:07: Man spricht oft bei Queerfamilie von Kindern, von eben bis Hebammen Gebären und jungen Menschen.

00:09:16: Danke, dass du das gleich hier einbringst!

00:09:19: Da komme ich in den Sinn... In Berlin gibt es anscheinend jetzt Wohnformen für queeres Altern, für lesbische ältere Menschen zum Beispiel.

00:09:31: Ja das ich weiß davon wenig in der Schweiz aber ja vielleicht erfahren wir dann auch vom Publikum genau also das Thema altern.

00:09:42: was beschäftigt dich Lisa im thema queer family aktuell?

00:09:48: aktuell?

00:09:50: Ja, also einerseits beschäftigt mich noch das Reden über das Buch.

00:09:55: Dass du glaube ich auch gelesen hast und

00:09:58: deswegen die besseren Felder.

00:10:01: Genau!

00:10:02: Also darüber rede ich immer mal wieder seit ich das Buch geschrieben habe und bin ja auch deswegen hier eingeladen.

00:10:09: erfreulicherweise vielen Dank.

00:10:11: Und ansonsten beschäftigt sich meine eigene Familie gerade, die ist nämlich momentan so ein bisschen in der Krise.

00:10:19: Über die Krise würde ich hier nicht weiter reden, weil meine Partnerin und ich da auch noch keine Sprachregelungen für haben oder so.

00:10:25: Jedenfalls keine gemeinsame... Aber das beschäftigt mich viel!

00:10:31: Und ansonsten beschäftigt mir auch die politische Gesamtsituation.

00:10:36: Also ich saß ziemlich lange im Zug.

00:10:38: Ich bin um zehn vor sieben losgefahren aber ich war pünktlich hier zu meiner Überraschung um halb vier.

00:10:46: Nachrichten gelesen und nochmal geguckt habe ich irgendwas verpasst an krepolitischen Entwicklungen in den letzten Wochen, wenn sich jetzt hier so als deutsche Touristin über Kühlrecht in Deutschland sprechen muss.

00:10:58: Und dabei ist mir aufgefallen dass jetzt diese Woche sich also im fünften Jahr der Zeitpunkt jährt seit dem Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht liegen Also verschiedene queere Elternkonstellationen, zwei Mütterfamilien oder Familien mit nichtbinären Elternteilen klagen vor dem Bundesverfassungsgericht auf die Anerkennung ihrer Familienform.

00:11:28: Und der erste Fall liegt da jetzt schon seit fünf Jahren.

00:11:31: ja also das Kind kann jetzt schon lesen und hat immer noch keine rechtliche Absicherung und des Bundesverfestungsgerichts entscheidet einfach nicht.

00:11:39: Das hat mich schon auf den Weg hierher nochmal ein bisschen geärgert.

00:11:43: Ja, auch überrascht wie schnell die Zeit vergeht und dass es jetzt schon fünf Jahre sind.

00:11:50: Danke für das!

00:11:51: Wir werden ganz sicher auch noch über Politik reden, über Rechtsloggen...

00:11:55: Das lässt sich ja leider nicht vermeiden.

00:11:57: also ich würde viel lieber über andere Sachen reden.

00:11:59: ehrlich gesagt Wir können auch noch über andere Sachen reden.

00:12:04: Wie beim Soundcheck haben wir sehr viel über das Wetter gesprochen, jetzt habe ich schon bei der Einleitung über das wetter gesprochen.

00:12:11: Wir können ja einfach zwischendurch mal übers Wetter sprechen damit wir noch über anderes sprechen.

00:12:16: genau

00:12:16: Das

00:12:17: Gute am Wetter.

00:12:18: aktuell ist ja dass wir alles darauf schieben können unsere ganze Gemütslage unserer Erschöpfung aber leider ist es nicht die einzige Grund also mitunter ein Grundklimawandel in natürlich, aber ja danke dass du das einbringst und ich freue mich da trotzdem auch wenn es ein leides Thema ist mit dir drüber zu sprechen.

00:12:41: Chris wie ist es bei dir?

00:12:43: Wenn du das hörst beschäftigen dich die gleichen Themen oder beschäftigt dich im Moment ganz anderes in Queer Family Kontext.

00:12:54: Also ich kann bei allem irgendwie anknüpfen, was ihr erzählt habt.

00:12:58: Beschäftigt mich auch die politische Lage.

00:13:00: Ich bin in einem Verein der heißt ABQ für das Kühe ABC.

00:13:03: wir gehen in Schulen und erzählen unsere Lebensgeschichten Und bei diesem Verein also bin ich jetzt ein paar Jahre dabei und ich kriege das schon mit wie die Schulen zum Beispiel zurückhaltender geworden sind uns zu buchen einfach aus Angst vor Elternreaktionen oder vor auch zum Teil den politischen Vorstößen macht mir Angst, diese Reaktion zu spüren.

00:13:24: Wie auch Schulleitungen sich zurückziehen.

00:13:28: Das Thema Queeraltern beschäftigt uns ... Ich lebe in einer WG mit acht Erwachsenen und drei Kindern.

00:13:33: Wir haben letztes Jahr darüber gesprochen, wie wir altern wollen, ob wir in dieser WG altern wollen gemerkt.

00:13:39: Eigentlich stellen wir uns alle vor, dass wir jung bleiben.

00:13:43: Dass wahrscheinlich irgendwann noch Jüngere einziehen.

00:13:50: Also das beschäftigt mich.

00:13:53: Und was mich beschäftigt, wenn ich einfach nur das Wort Queerfamilie höre?

00:13:56: Da haben wir uns auch in der WG auseinandergesetzt.

00:14:00: Ich habe eine Tochter, die ist elf und da gibt es eine andere Familie, die hat Kinder, die sind sechzehnundachzehn und die achtzehnjährige hat als Maturarbeit sich mit unserer Wohn- und Lebensform auseinandersetzt.

00:14:11: also sie lebt in dieser Wohnform seit sie ein kleines Kind ist und hat so gemerkt, dass sie halt auch von außen darauf angesprochen wird.

00:14:19: Und das ist eine Art Coming-out zu sagen ich lebe in der WG, das ist nicht meine Familie aber es ist doch irgendwie Familie.

00:14:25: und die hat sich sehr stark gefragt mit bildnerischen Kunst und Audio und so ganz toll was ist eigentlich Familie?

00:14:33: Und durch ihre Auseinandersetzung haben wir Erwachsenen uns das auch nochmal gefragt und fanden es total spannend und ich habe für mich auch gemerkt Doch je länger ich, ich lebe jetzt zwölf Jahre in dieser WG.

00:14:43: Je länger ich und die meisten sind auch konstant, sind auch Leute ausgezogen oder eingezogen aber doch ... Die Hauptgruppe ist konstant und eigentlich ist das für mich Familie.

00:14:51: also es nicht nur diese Familie die ich gegründet habe sondern... Es sind die Menschen mit ihnen schon lange zusammenlebelt und auch diese lebensprägenden Erfahrungen gemacht haben Auch wenn wir vielleicht außerhalb des Hauses nicht viel Zeit miteinander verbringen.

00:15:06: Aber einfach dieses Alltag macht viel aus.

00:15:10: Du hast das Thema Schule angesprochen.

00:15:18: jetzt junge Menschen in eurem Haus sich auch beschäftigen, hat sich das jetzt verändert in den letzten Jahren.

00:15:25: Also die Reaktionen von außen oder einfach Reaktion aus dem Umfeld der Bewohnerinnen?

00:15:36: Oder seid ihr da sehr gesetzt und sehr wohl?

00:15:43: Nein, ich habe jetzt mehr in dieser Vereinsarbeit Veränderungen gemerkt.

00:15:47: In unserem Umfeld haben wir nie so direkt negative Reaktionen bekommen überhaupt nicht.

00:15:54: Meine Tochter hat zwei Väter, die sind ein

00:15:56: Paar.

00:15:58: Wir haben die Familie zu dritt gegründet und wir sind sehr offen.

00:16:03: also wenn wir irgendwie in der Schule auf jeder neuen Schulstufe sagen wie halt wir sind drei Eltern oder neue Musiklehrpersonen, Ärzte in wo auch immer und wir haben eigentlich nie negative Erfahrungen gemacht außer dass halt die Formulare meistens nicht uns nicht vorsehen.

00:16:17: Und man dann irgendwie improvisieren muss.

00:16:20: aber sonst erleben wir eigentlich sehr viel Offenheit bis heute.

00:16:25: Ich habe jetzt gerade gedacht, das wäre schon der erste Bruch vom Drehbuch.

00:16:28: Aber eigentlich würden würde da jetzt ein Foto schon sehr gut passen oder vielleicht auch eine Lesestelle bereits zu Beginn aus deinem Buch?

00:16:37: Weil wir eigentlich schon mitten da sind!

00:16:39: Wenn du einfach standen bist, würde ich dir vorschlagen dass wir das machen und der Lesestell von Lisa die eigentlich geplant wäre vorziehen.

00:16:48: und zwar hast du dich ja also zuerst bevor ihr diese Wege begrüßt habe, bitte korrigiere mich wenn ich jetzt nicht ganz richtig bin.

00:16:58: mit der Reihenfolge aber hast du dich schon mit Familienbanden beschäftigt.

00:17:05: Und hast fünfzehn Portres geschrieben über vielfältige Familienmodelle.

00:17:10: Das Buch ist, ich muss leider enttäuschen aktuell vergriffen.

00:17:16: Daher wird es nicht auf dem Büchertisch zu finden sein.

00:17:18: du hast aber gesagt man darf sich bei dir melden und du würdest auch das PDF des Buches verschicken.

00:17:24: für diejenigen, die das interessiert also ihr dürft dann Chris gerne mailen.

00:17:30: Du hast auch dieses Buch mitgebracht und das hat dich dann auch inspiriert oder vielleicht auch geprägt auf diesem Weg in diese Wege und in euer Familienmodell.

00:17:40: Magst du uns ein bisschen mitnehmen, wie das damals war, das Buch Familienbande zu schreiben?

00:17:47: Und wie dich das geprägte hat?

00:17:50: Dann wird sich die Technikperson ganz diskret auf die Fotos vorbereiten!

00:17:58: Ja danke also.

00:17:59: ich war Mitte dreißig und hatte ein oder Anfang Dreißig.

00:18:04: Und das Thema Kinderwunsch kam bei mir auf, und als Journalistin war ich in der privilegierten Situation, dass ich andere Fragen konnte wie habt ihr es gemacht?

00:18:13: Und so habe ich dieses Buch geschrieben also wirklich als Inspiration weil ich wusste... Also ich hatte ja eigentlich schon lange einen starken Kinderwunscht aber genauso stark war mein Wunsch halt auch berufstätig zu bleiben und auch autonom zu sein.

00:18:26: und nicht Ich bin bisexuell, also ich hätte auch mit einem Mann eine Familie gebründen können.

00:18:31: Aber egal ob mit einem oder einer Frau, ich stellte mir einfach vor dass das sehr eine Bedastung für ein Paarbeziehung ist und man sehr wenig Zeit für sich selber dann hat.

00:18:43: aber es fehlte mich an Vorbildern.

00:18:44: Also es war in der Zeit schon erste Regenbogenfamilien, also lesbische Paare, schwule Paare im Umfeld die begonnen haben Familien zu gründen.

00:18:52: Aber ich wusste noch nicht so viel über dieses Thema und habe dann recherchiert dieses Buch geschrieben Und die eine Familie, aus deren Porträt ich jetzt vorlese... Also es haben mich verschiedene von den Familien inspiriert.

00:19:02: Aber die vielleicht besonders und ich denke immer wieder an sie zurück.

00:19:07: Sollen wir gleich das Foto

00:19:08: dazu

00:19:09: zeigen?

00:19:09: Genau!

00:19:10: Das ist diese Familie, die wir hier sehen.

00:19:13: Genau also das Fotto ist unvollständig weil man könnte gar nicht alle auf das Bild kriegen aber die Familie oder die Personen die dann im Porträl vorkommen sind Laura, genau.

00:19:27: Laura unten links in dem grünen Shirt und ihr Kind in der Mitte, das kann man ja nie, ich weiß schon nicht mehr die Namen, es ist schon ein Jahr, oder?

00:19:35: Zwei Tausend zwölf erschienen, genau!

00:19:41: Elkhana genau ist der Vater vom Kind und Katrin mit dem schwarzen Shirt ist die Mutter von Laura.

00:19:48: Und es ist eigentlich eine historische Beschreibung, weil ich es auch spannend fand zu sehen dass es eben queere Familien oder vielleicht unkonventionelle Familien ja schon sehr lange gab und hier in diesem Fall schon in der zweiten Generation.

00:20:02: Bern Anfang der Achtziger Jahre.

00:20:04: Es sind bewegte Zeiten, junge Menschen solidarisierten sich mit Revolutionären in El Salvador und Nicaragua.

00:20:11: Sie demonstrieren gegen das Waldsterben in der Schweiz und für eine menschenwürdige Asylpolitik.

00:20:16: Frauen gründen feministische Gruppierungen und wehren sich gegen die Dominanz der Männer in der Szene.

00:20:22: Kinder sind in der Bewegung zunächst kein Thema.

00:20:25: Auch die berufliche Selbstverwirklichung ist sekundär.

00:20:28: Zu privat, zu egocentrisch scheinen solche Pläne – schließlich wollen die jungen Leute die Welt verändern.

00:20:35: Eines Abends sitzen Katrin und eine Handvoll weiterer Aktivistinnen in der Reitschule Und plötzlich kommt das Gespräch dennoch auf das Kinderthema.

00:20:44: Die Reitschuhe ist ein alternatives Zentrum in Bern.

00:20:49: Kinder hätten, fragen sie sich.

00:20:50: Nicht in einer kleinen Familie sondern gemeinschaftlich organisiert so dass jeder von uns noch genug Zeit für eigene Interessen bliebe.

00:20:58: Kurz darauf erwarten fünfter Frauen ein Kind.

00:21:01: Katrin gehört nicht dazu!

00:21:04: Dass die anderen schwanger waren schockierte mich sagt sie heute.

00:21:07: ich wollte gleichzeitig mit den anderen Kindern haben fühlte mich aber noch nicht Reifmutter zu sein.

00:21:13: Ein halbes Jahr später ist sie dann trotzdem schwanger, ungeplant.

00:21:16: Wobei man sich schon fragen kann wie ungeplant das tatsächlich war, sagt sie.

00:21:22: Zwei Jahre nach dem Gespräch in der Reitschule sind neun Frauen Mütter geworden.

00:21:27: Die meisten Väter der Kinder bewegen sich ebenfalls im Reitschool-Umfeld Nur wenige Liebesbeziehungen zwischen Vätern und Müttern halten.

00:21:34: Dennoch haben viele von ihnen den Anspruch die Kinderbetreuung partnerschaftlich zu teilen Und die Mütte beginnen zu überlegen wie sie ihren Wahlfamilien Traum in die Wirklichkeit umsetzen können.

00:21:45: Aus einem gegenseitigen Hütedienst entwickelt sich allmählich mehr.

00:21:49: Die Idee, ein großes Haus für alle neuen Mütter mit ihren Kindern zu finden, erweist sich als illusorisch.

00:21:55: Stattdessen fordern sie von den Stadtbehörden mehrere bezahlbare wie getaugliche Wohnungen nicht zu weit voneinander entfernt.

00:22:03: Um zu zeigen dass es uns ernst war zogen wir regelmäßig zur städtischen Liegenschaftsverwaltung.

00:22:08: Wir drohten das wir nicht weggehen würden wenn Sie uns keine Wohnungen besorgten.

00:22:13: Das nützte.

00:22:15: Wir haben backstage über die Wohnungsnot gesprochen und die vergebliche Suche.

00:22:19: vielleicht wäre das eine Methode.

00:22:22: Kurze Zeit später wohnten die meisten Frauen und ihre Kinder in verschiedenen Wohngemeinschaften im Nordquartier in Bern, einige davon in einer alten Arbeiter-Siedlung dem

00:22:31: Kuhhof.

00:22:32: Ich finde es schon spannend.

00:22:33: ich habe wirklich jahrelang nicht mehr aus dem Buch vorgelesen als es vor vierzehn Jahren erschien Und ich finde es interessant, was wieder aktuell wird.

00:22:39: Ich meine auch mit Klimakrise wo man auch denkt man kann keine Kinder mehr in dieses Welt setzen.

00:22:43: das war in den achtziger Jahren auch schon mal ein Thema dann wieder vergessen ging.

00:22:48: und jetzt diese Wohnungsnote.

00:22:50: genau als ihre Tochter Laura fünfzehn Monate alt ist trennt sich Katrin von ihrem Partner schweren Herzens.

00:22:58: mein ideal war dass nicht.

00:23:00: ich hätte mit ihm eine Paar- und Elternbeziehung leben wollen aber das hat nicht funktioniert.

00:23:05: Die beiden scheiterten am Anspruch, eine gleichberechtigte Beziehung zu führen.

00:23:09: Kathrin übernahm in der gemeinsamen Zeit spontan mehr Verantwortung wie das Kind – aber es ging mir nicht gut dabei", sagt sie.

00:23:16: Nach der Trennung gelang ihnen die gleichberechte Diertelrollenteilung besser.

00:23:20: Laura lebte zur Hälfte bei ihrem Vater Tinu in verschiedenen Wohnformen und zur hälfte in einer WG mit ihrer Mutter Kathrin, einer weiteren Mutter aus der Wahlfamilie und deren Sohn.

00:23:32: Während die Liebesbeziehung von Katrin und Tino nicht lange dauerte, gedieh das Wahlfamilienprojekt der neuen Mütter.

00:23:39: Jeden Sonntagabend trafen sich alle neu um zu besprechen wer in der Folgewoche wann die Kinder betreute.

00:23:45: Sie organisierten einen Mittagstisch und gründeten später den ersten privaten Kinderhort im Quartier.

00:23:51: Jetzt muss ich gleich ein bisschen überspringen.

00:23:56: Das Wort Sitzung gehört für Laura von klein auf zum Grundwortschatz.

00:24:00: Was die Erwachsenen da tun, ganz lange über ernste Dinge reden kommt ihr als Kind langweilig vor.

00:24:07: Die Kinder freuen sich aber immer auf die Müttersitzungen denn dann dürfen sie alle zusammen in der WG schlafen wo die Sitzung stattfindet.

00:24:14: Das war immer ein Rambadzamba erinnert sich Laura So lange bis die Mutter drohten Sie würden uns zum Schlafen auseinandernehmen.

00:24:22: Überhaupt hat sie viele gute Erinnerungen an ihre Kindheit.

00:24:25: Ihr damaliger Mitbewohner Tino – er heißt gleich wie ihr Vater wurde mit der Zeit wie ein Bruder für sie.

00:24:31: Die beiden teilten sich ein Schlaf und ein Spielzimmer, sie schliefen im gleichen Bett und durften die Wände anmalen.

00:24:37: Nicht nur mit dem gleichaltrigen Tino auch mit den anderen Kindern der Müttergruppe verbrachte Laura viel Zeit.

00:24:43: Wir wussten wenn jemand von uns ein Problem hat stehen die Anderen sofort hinter ihm.

00:24:48: das war ein gutes Gefühl.

00:24:50: In der Schule traten sie als Bande auf.

00:24:52: Sie wehrten sich gegen Lehrer, von denen sie sich ungerecht verhandelt fühlten und sie suchten sich diejenigen Kinder aus, die mitspielen durften.

00:25:00: Das sei für außen stehende Kinder manchmal nicht leicht gewesen, meint Laura.

00:25:03: heute Als sie elf ist zieht ihre Mutter Katrin ein Jahr nach Berlin.

00:25:09: Sie träumt schon lange davon dort zu leben.

00:25:12: in den achtzigeren hatte sie sich dagegen entschieden weil sie ihn Bern bei der Jugendbewegung mitmachen wollte.

00:25:17: Laura lebt während Katrins Abwesenheit bei ihrem Vater.

00:25:21: Bleibt aber auch Teil der Mütter-Wahlfamilie und übernachtet zweimal pro Woche, bei zwei Müttern der Gruppe.

00:25:27: Sicher habe ich Katrin vermisst – Aber es änderte sich nicht viel in meinem Alltag", sagt Laura.

00:25:33: Ich war ja gut aufgehoben beim Vater und in den vertrauten Wohngemeinschaften.

00:25:38: Heute ist Laura froh.

00:25:39: hat sie ihre Mutter damals diese Freiheit genommen.

00:25:41: Sie hat mir gezeigt dass man als Mutter nicht auf alles verzichten

00:25:45: muss.".

00:25:46: Das macht mir Mut, eigene Träume zu leben.

00:25:49: Auch sonst hat Laura einiges aus ihrer Kindheit mitgenommen – etwa die Überzeugung dass es für ein Kind kein Problem sein muss in verschiedenen Haushalten aufzuwachsen.

00:25:57: Für sie war der Wechsel zwischen den Wohnungen von Mutter und Vater immer selbstverständlich.

00:26:02: Ich habe früh gelernt klug zu packen, meint sie dazu Und die Erfahrung gemacht das es einem Kind gut tut mehrere nahe Bezugspersonen zu haben.

00:26:11: Laura zählt mindestens sieben Erwachsener dazu.

00:26:13: Neben ihren Eltern, die erste und die zweite Mitbewohnerin ihrer Mutter, die Partnerin sowie eine Nachbarin des Vaters außerdem die Mutter einer guten Freundin.

00:26:23: Zu einigen hat sie heute noch einen nahen Kontakt.

00:26:26: Die verschiedenen Charaktere ihrer Bezugspersonen, die Regeln, die sich von Mensch zu Mensch unterscheiden das habe ihr als Kind keine Mühe bereitet sagt Laura.

00:26:35: Das wird erst dann zum Problem, wenn die Eltern meinen sie wüssten als Einziger was gut für ihr Kind ist.

00:26:42: Danke vielmals Chris!

00:26:52: Gern würde ich auch mit euch über diese Lesestelle sprechen bevor wir das nächste Foto dann sehen.

00:26:58: Wenn ihr das so hört... Was löst das in euch aus Lisa und Pascal?

00:27:08: Als Erstes glaube ich bin ich ein bisschen neidisch So auf diese sehr große Gruppe.

00:27:15: Ich glaube, ich hätte das ... Ich fände es als Erwachsener auch toll aber als Erwachsener lebe ich das teilweise oder kann es zumindest selbst herstellen.

00:27:24: Aber als Kind wäre das für mich der totale Traum gewesen.

00:27:27: Ich habe mich richtig gelangweilt in meiner untypischen, aber doch sehr kleinen, hetero-kleinen Familie also in der an der ich aufgewachsen bin.

00:27:37: Magst du da noch was ein bisschen dazu sagen?

00:27:39: Ist ja auch Thema im Buch, oder?

00:27:41: Ja.

00:27:42: Also eben dein Buch Lesbens sind die besseren Väter beginnt eigentlich mit deiner eigenen Geschichte, dass dein Vater dich dazu inspiriert hat.

00:27:52: Oder das dieses Buch auch mit deinem Vater und deiner eigenfamilien Geschichte zu tun hat?

00:27:58: Ja total!

00:27:59: Ich würde auch sagen... Ich lebe auf jeden Fall in zweiter Generation einer untypischen Familie und sowohl meine Partnerin als auch ich, das schreibe ich auch irgendwo im Buch.

00:28:12: Wir betreiben feministische Selbstverwirklichungen in zweitiger Generationen.

00:28:16: wir sind nämlich beide also Kinder von Jeteroparen im Westdeutschland der achtziger Jahre auch Und unsere Mütter waren beide Bildungs oder sind Beide bildungsaussteigerinnen haben Karriere gemacht und sehr, sehr viel Zeit mit Arbeit verbracht.

00:28:32: Und unsere Väter waren Hausmänner in erster Linie.

00:28:36: In zweiter Linie war mein Vater auch noch Musiker.

00:28:38: Und irgendwann als ich aus dem Haus war dann Schulsozialarbeiter.

00:28:43: Genau!

00:28:46: Ich sehe da so einfach sehr viele Parallelen oder ... Eigentlich, also eigentlich vor allem in der Bekämpfung von untypischen Familienmodellen.

00:28:58: Es sind die gleichen oder sehr ähnliche bescheuerte Argumenten, dass es die gleiche patriarchale Ideologie so mit der mein Vater abgewertet wurde, mit dem ich als Kind genervt wurde weil mein Vater präsent war und meine Mutter nicht.

00:29:15: und die gleich ideologie nervt jetzt meinen kind weil sie keinen präsenden vater hat.

00:29:21: Und mittlerweile gibt es endlich die Kinderbücher mit aktiven Vätern, die ich als Kind gebraucht hätte.

00:29:27: Aber die meinem Kind vor allem vor Augen führen was ihr fehlt.

00:29:32: Also am Schluss gibt's eigentlich nur das Ideal Vater Mutter Kind, junge Mädchen am besten in einem Einfamilienhaus.

00:29:44: Aber auch dann ist es ja.

00:29:45: irgendwie wird's kritisiert und von außen beäugt je nachdem was darin wieder nicht der Norm entspricht.

00:29:53: Man findet sich ja immer etwas, das nicht der Normal entspreecht.

00:29:58: Passt gerade wenn du die Lässe Stelle hörst oder was jetzt Chris gelesen hat, was löst bei dir aus?

00:30:09: Vielleicht gerade einhängen auch bei dieser nicht normativen Repräsentation.

00:30:14: Ich kenne das mehr aus dem Wohnen-Kollektivenkontext, wo mir sehr klar immer wieder gespiegelt wurde in verschiedenen Fällen dann auch dass es komisch ist also so quasi üdreißig dann immer noch in einer WG zu wohnen.

00:30:33: Das entspricht irgendwie nicht der Vorstellung eines erwachsenen Menschen.

00:30:39: Was ich auch super interessant finde innerhalb dieses Feedbackes ist, dass mir viele Menschen sagen so was könnte ich nicht?

00:30:47: und selbst aber in kleinen Familien Kontexten mit Menschen leben.

00:30:50: Und ich denke immer so da gibt es eigentlich nicht so einen großen Unterschied außer das die Rollen vielleicht gesellschaftlich geklärt sind.

00:30:58: Aber Zusammenleben hat zusammen Leben und Zusammenleben bringt Freuden und weniger freudige Dinge.

00:31:08: War das denn ein bewusster Entschluss, bei dir so zu leben oder ist es quasi einfach passiert?

00:31:14: Also sind die Menschen zu dir gekommen und waren so komm'n Herr in unsere Wahlfamilie.

00:31:20: Oder hast du dir diese Menschen gewählt?

00:31:24: Diese ... sag ich jetzt mal so Lebensform gewählt?

00:31:29: war das bewusst?

00:31:30: Ja das war ja schon sehr bewusst.

00:31:32: also ich muss vielleicht dazu sagen... Beamt in einer Genossenschaft, in der Nähe von Zürich groß geworden und komme aus einem sehr verbundenen Leben schon sehr privatisiert dann innerhalb der kleinen Familien aber dann doch eine sehr große Öffnung im Ganzen.

00:31:54: Wo ich nach Züricher gekommen bin habe ich kurz alleine gelebt so zu Beginn in der Stadt das was irgendwie am naheliegendsten war und habe dann aber bereits drei Jahre später mich mit zwei weiteren Menschen zusammen getan.

00:32:08: Und dann hab ich aktiv nach etwas größerem gesucht aus sehr unterschiedlichen Gründen, aber schon damals auch sehr ideologischen und irgendwann auch sehr überzeugten und auch pragmatisch praktischen usw.. Bei mir leben ja auch Kinder im Haushalt und ich, also bei mir stellt sich schon die Frage nach.

00:32:29: Also irgendwo in deinem Buch gibt es die Stelle wo du über Familien, über die soziale Praxis des Familientuns sozusagen sprichst.

00:32:38: das resoniert mit mir sehr stark dass ich klar die Haltung vertrete Leben, die tun wir Ja?

00:32:45: Die ergeben sich eben in der Regel vielleicht nicht so evident wie wir denken oder in Hetruk Konstellation vielleicht schon eher, weil sie nicht so stark hinterfragt werden müssen wie in anderen Formen.

00:32:57: Aber prinzipiell tun wir es ja und insofern würde ich sagen Ich habe Familie gelebt und lebe Familie innerhalb der Konstellations in denen ich lebe mit super vielen Differenzen.

00:33:11: also die meisten Personen würde ich mir so nicht auswählen als jetzt Favoritinnen wo ich so denke wow Das passt so richtig.

00:33:26: Und das ist schon eine Herausforderung oder eine Lebensaufgabe für mich geworden zu gucken, was bedeutet es mit Differenz zu leben?

00:33:37: Das ist aber inzwischen auch das, was mich erschöpft also dass ja dann auch ein bisschen die Ironie an der Geschichte.

00:33:45: Ja.

00:33:46: Aber wenn du jetzt sagst Du lebst mit Menschen, aber auch das Wort Familie braucht.

00:33:51: Das heißt ein Familie für dich?

00:33:52: Jetzt hast du dafür eine Definition!

00:33:57: Weil also jetzt Heteronorm in diesen Kinderbüchern immer noch – auch wenn es diversere Kinderbühner gibt ist ja Familie schon sehr klar mit eigenen Kindern vielleicht noch Stiefkindern eben sehr heteronorm gedacht.

00:34:10: wie definierst du

00:34:11: das?!

00:34:13: Ich habe, glaube ich nicht so eine klare Definition als vielmehr, dass ich mich auch durch meine theoretischen Auseinandersetzung sehr gerne an Theoretikerinnen referenziere.

00:34:25: Zum Beispiel mag ich sehr gerne den Begriff Kinship von Donna Haraway-Kinn meint Verwandtschaft aber mehr in einem Wahlverwandtschaftskontext oder also mehr ebenso das tun Wo arbeiten wir uns hin mit Gruppen?

00:34:42: Das machen wir ja alles nicht ständig bewusst.

00:34:44: Aber ich verorte schon sehr klar Familie und sozusagen den Commitments, die ich eingehe auch mit Menschen.

00:34:51: Und ich fand schon interessant was auch dich zum Lockdown geäußert im Buch.

00:34:56: Ich finde

00:34:57: z.B.,

00:34:59: Die Epidemie war für mich puncto Wahlverwandtschaft schon so hit in my face.

00:35:10: Also erstens gab es ja unsere Wahl-Familie Struktur von elf Erwachsenen und drei Kindern schon mal nicht.

00:35:16: Wir waren viel zu groß, zudem sind wir natürlich mit vielen weiteren Menschen bezogen und da auch so zu definieren wer sind wir eigentlich?

00:35:25: Wie können wir uns auch gegen den Außen repräsentieren?

00:35:29: Und aber schon die Frage der biologischen Herkunftsfamilien, die da wieder ins Zentrum gerügt ist – auch punkturecht das fand ich krass!

00:35:39: Darf ich zu dem Kinship Begriff noch was sagen, weil gerade als du über Donna Haraway gesprochen hast ist mir auch eines der älteren Bücher die ich gelesen habe in meiner Recherche wieder eingefallen.

00:35:50: Ich zitiere das nur ganz kurz – es ist eigentlich schade, dass ein großartiges Buch ist.

00:36:03: Genau, und sie erforscht eben so ja Familienverständnisse und Praktiken von Schwulen und Lesben im Kalifornien der späten achtziger Jahre.

00:36:14: Und wirklich so eine Side Note ist irgendwie.

00:36:18: das fand ich aber hoch interessant.

00:36:19: deswegen fällt es mir auch jetzt wieder ein da beschreibt sie wie denn es wie denn queere Paare mit Trennungen umgehen in Bezug auf ihr Familienverständnis Und es geht in diesem Buch überhaupt gar nicht vordergründig um schule- und lesbische Paare die Kinder bekommen, sondern es geht eher um Freundschaftsnetzwerke, um Verhältnisse zu Herkunftsfamilien.

00:36:42: Und wirklich nur am Rande – um eigene Babys!

00:36:47: Naja auf jeden Fall ist eine Beobachtung.

00:36:52: in den queeren Szenen mit denen sie spricht

00:36:56: gibt es

00:36:57: die normative Erwartung, dass die Ex-PartnerInnen die besten Freundinnen werden oder bleiben.

00:37:04: Und das kontrastiert sie sehr stark mit Heteroscheidungen, die dann üblicherweise bedeuten, die Verwandtschaftsbeziehung ist zu Ende Und folgert daraus, wie ich finde total plausibel das eben queere Beziehungen die viel stabilerinnen.

00:37:21: Die viel langfristigeren und die viel umfassenderen familiären Zusammenhänge stiften weil sie eben nicht durch Trennung auflösbar sind.

00:37:29: Das kann vielleicht auch was sehr tragisches

00:37:31: sein!

00:37:34: Aber ich fand es einen wahnsinnig spannenden Gedanken und also umso mehr, weil dieser Gedanke halt in der Gesellschaft in der ja auf jeden Fall die lesbische Kleinfamilie jetzt noch nicht die Art von Akzeptanz hatte wie sie vielleicht heute hat.

00:37:56: Also so unvollständig die auch sein mag.

00:37:58: Jetzt ist das zumindest was womit die meisten Menschen was anfangen können oder schon mal gehört haben.

00:38:09: Ich kann gerade noch... Ihr geht mir nämlich einfach, ich mache einen kurzen Werbeblock dazwischen weil ihr geht mir einfach das perfekte Stichwort Kinship, weil diese Veranstaltung ist auch eine Vorveranstaltung des Festival-Kin also Kinship Festival.ch in der De-Information ein kunstfestival, ein feministisches Kunstfestival im Juni das stattfinden wird für mehr Verbindung und eben bedient sich auch an diesem Begriff von Kinship vom Gemeinschaft von Wahlverwandtschaft.

00:38:44: und das wollte ich jetzt einfach nicht vergessen zu sagen.

00:38:49: Und jetzt haben wir ganz viele Themen angesprochen einerseits dass das Familie heißen kann, miteinander zu leben.

00:38:59: Aber jetzt nicht sich unbedingt immer total zumögen oder einfach alles hundert Prozent toll aneinanderzufinden was ja irgendwo durch eigentlich

00:39:09: total

00:39:11: Logisch ist, also auch in normativen Familien ist das ja zum Teil so.

00:39:17: Also dass sich die Beziehungen verändern und man sich nervt.

00:39:20: Geschwister suchen sich nicht unbedingt aus.

00:39:24: Es gibt Beziehungskrisen aber da wird es wie anders bewertet.

00:39:31: Das gehört dann logischerweise dazu.

00:39:33: wenn es aber wahre Familie ist muss alles hundertprozent perfekt sein es ja logisch, weil das kann ja nicht funktionieren so und nicht in der Norm.

00:39:46: Und da höre ich auch sehr stark wieder dich Lisa jetzt mit diesem Beispiel von queeren Familien oder familien Konstrukten die ja vielleicht auch mehr Sicherheit bieten können oder vielleicht auch schon von Anfang an sich mehr damit beschäftigen müssen wie entwickeln wir uns Als Familie ist es natürlich auch sehr romantisiert, sag ich jetzt mal.

00:40:10: Weil ja auch da gibt es viel Emotionen, gibt es Veränderungen, gibt das Schmerz, gibt auf Lösungsprozesse und so weiter.

00:40:19: aber es stimmt dir schon zu dass es vielleicht Wie soll ich sagen, breiter gedacht wird?

00:40:27: Oder dann bei lesbischen Beziehungen hin zu Freund-Innenschaften gehen kann.

00:40:35: Also auch so ein Narrativ, dass sich diese Beziehung so verändern können währenddessen dann Ehefrau und Ehemann wenn die nur noch Freunde sind und die Kinder zusammen auf... Das stimmt ja was nicht!

00:40:48: Genau aber finde ich sehr interessant.

00:40:53: trotzdem noch weit, nochmals zurück zu Chris.

00:40:58: dieser Lesestelle in diese achtziger Jahre.

00:41:02: Pascal hat auch erzählt, also ihr kennt euch auch Chris und Pascal aus diesen Jahren.

00:41:12: Mögt ihr kurz noch was dazu sagen wie das damals auch war vielleicht jetzt für Menschen die zuhören oder hier im Publikum sind, die das nicht erleben?

00:41:24: Diese Zeit, wie war So

00:41:28: lange kennen wir uns leider noch nicht.

00:41:30: Wir sind zwar vor den nachtziger Jahren geboren, aber wir kennen uns aus den zweitausenden Jahren.

00:41:36: hier in Zürich gab es ein paar Jahre lang eine queerfeministische Szene.

00:41:41: Wir hatten auch, also Syndikat ist der Name dieser Szene Und wir haben Partys organisiert, Workshops.

00:41:49: Wir haben eine Off-Pride organisiert also ein Alternative zur Euro Pride als diese riesen Euro Pride Mainstream Veranstaltung hier statt von zwei tausend neun glaube ich ja und elf genau.

00:42:03: und das?

00:42:04: Also ich habe jetzt von mir das Buch Queer Kids rausgegeben, über fünfzehn Quere Jugendliche in der Schweiz heute.

00:42:11: Und es war für mich auch ein bisschen wie eine Zeitreise weil ich gemerkt hab dass die Jungen, die heute ohne Pronomen oder andere Pronomen und anderen Namen und so drag das wiederkommt... Ich höre mich so alt an, wenn ich sage, das haben wir alle schon gemacht.

00:42:28: Aber es war trotzdem so krass!

00:42:30: Es gab den Begriff Nombinär noch nicht aber wir haben uns Teil auch ohne Pronomen angesprochen oder es gab Leute die eine andere Sprache, andere Pronomen erfunden haben Xie.

00:42:39: Und das hat sich dann irgendwann aufgelöst, aber es war sehr lebensprägend.

00:42:45: Wir sind jetzt gerade dabei Archivalien zu sammeln um die dann in Sozialarchiv zu geben und da haben wir uns jetzt wieder getroffen und gemerkt ja wie lebens prägend dass für die meisten von uns wirklich wahr.

00:42:55: Wir waren an unterschiedlichen Punkten im Leben auch eine sehr heterogene Gruppe diese Lust auch andere Formen von Geschlecht, von sexuell Orientierung und so auszuprobieren.

00:43:09: Die hat uns sehr verbunden und das eben zu einer Zeit wo als Junge Erwachsene, wo vieles noch neu und offen ist?

00:43:17: Ich weiß nicht wie du es erlebt hast!

00:43:20: Ja ich schließe mich an.

00:43:21: also für mich war Syndikat ein Glücksfall den auch Zugang zu finden.

00:43:31: Ich war noch nicht so lange in der Stadt und dieser Heterogene Zusammenhang war für mich sozusagen der Ort, also wo ich überhaupt meine ganze Identitätspolitik erstmal so richtig entdecken konnte.

00:43:51: auf versprachlichen Konten und Roll-Models fahren usw.

00:43:55: Und was schon toll ist auch an den Gefäß, dass aus dem Syndikat auch ganz viele Gefäße rausgewachsen sind also zum Beispiel TGNS Transgender Network Schweiz kommt auch sehr stark aus diesem Zusammenhang.

00:44:10: Es gibt Menschen, die in den Startlöchern der Gender Studies eher ihre akademischen Wege eingeschlagen haben und so weiter.

00:44:19: ja also sehr große Meilensteine würde ich sagen auch historisch betrachtet für die Schweiz Und ich vermisse schon auch sehr eben auch diese Heterogenität dass einfach Gruppen auch sich zusammenfinden müssen, weil sozusagen nicht die Möglichkeit besteht zu wählen.

00:44:41: Also ich kann jetzt nicht noch zehn Untergruppen finden sondern ich nehme quasi was hier ist.

00:44:47: Das empfinde ich heute so ein bisschen weniger.

00:44:50: das war sehr schön

00:44:52: und ihr habt auch viel einfach gemacht oder?

00:44:55: Es wurde auch zweiten Räume geschaffen.

00:45:00: man hatte Ideen und setzte die um.

00:45:04: Es war schon eine Zeit, wo auch noch ... es war einfach sehr wenig da.

00:45:09: Und das ging nicht in erster Linie darum, etwas zu konsumieren, sondern sich wirklich zu stärken und zusammenzukommen, dass etwas daraus entsteht so?

00:45:22: Ja also ich habe ja immer zu sagen gepflegt bis um ungefähr im Jahr zwei Tausendund vierzehn vielleicht jedes Kyre-Event, das in der Stadt gefunden hat oder Jedes subkulturelle Queerevent war ich Teil der Organisation.

00:45:37: Es gab eigentlich nichts, das sie so besuchen konnte in einer konsumistischen Haltung.

00:45:43: Das hat sich sehr verändert.

00:45:48: Gut, wie bringen wir jetzt den Bogen zu diesem nächsten Bild?

00:45:52: Überlege ich mir.

00:45:53: Aber das heißt... Wir gehen jetzt einfach von diesen, zuerst, Achtziger, zu den Zweitausender und jetzt sind wir bei Zwei-Zwanzig zwölf aus dieses Buch Familienbande erschienen.

00:46:05: Okay gut, Bogen gespannt!

00:46:07: Und dann war es also so du hast ganz viel Wissen dir durch dein eben Privileg der Journalistin erarbeitet, warst in diesen queeren Räumen wie Pascal auch nochmals erzählt hat.

00:46:24: Hast dich also mit Kinship, wie auch Lisa erwähnt, auseinander gesetzt und dann hast du dich entschlossen selbst ein Kind zu bekommen?

00:46:35: War das so... Das war

00:46:39: so, aber mit dem Entschluss war es noch nicht getan weil außer Maria ist glaube ich Noch keine Frau war einfach schon gekommen.

00:46:45: Ja, klar!

00:46:46: Also da stelle habe ich schon

00:46:48: viele Fragen.

00:46:51: Genau und ich hatte eben auch eher so eine Familie als Vorbild und nicht eine Alleinerziehende und deswegen musste ich die richtigen Gleichgesinnten finden.

00:47:00: Und eigentlich in dieser Zeit wo das Buch In der Mache war kurz vor Erscheinen habe ich zwei Männer kennengelernt, die mir eine Freundin vorgestellt hat.

00:47:11: Die waren gerade im Einziehen in dieses Haus begriffen wo ich jetzt eben mit wohne und das war eigentlich ein bisschen lieber auf den ersten Blick.

00:47:20: also ich hab eigentlich schon bei der ersten Begegnung gedacht sie wären tolle Väter und sie offenbar auch.

00:47:26: von mir haben wir ja ein Jahr später dann erst uns gestanden es ist ein bisschen mehrchenhaft aber so was.

00:47:35: Und heute haben wir eine elfjährige Tochter, das ist die Kurzform.

00:47:38: Das heißt dann hätten wir so ein... Nach dem Entschlussfoto... Dürften wir das mal sehen?

00:47:46: Das nächste?

00:47:47: Ja genau!

00:47:51: Es war die Geburtstagart, ich glaube vorne da und hinten das nächste.

00:47:58: Ja, genau.

00:47:59: Das nächste Foto... Also

00:48:00: wir können das Nächste zeigen, es ist ein bisschen viel striftisch.

00:48:03: Genau so!

00:48:05: Das ist jetzt wirklich ein Einblick in das Familienalbum.

00:48:09: und den der uns da gewerst.

00:48:12: Danke vielmals, dass wir das sehen dürfen.

00:48:16: Wir können auch das nächste sehen?

00:48:17: Das ist jetzt dann zehn Jahre später.

00:48:21: Ja genau!

00:48:23: Ich durfte ja auch das Privileg der Journalistin nutzen und mich auf die Suche nach vielfältigen Familienmodellen machen.

00:48:30: ich habe da quasi ein bisschen fortgeführt was du schon über zehn Jahre davor gemacht hast und durfte euch besuchen Eltern und dieses Foto ist an diesem Tag entstanden.

00:48:44: Und das war wirklich mega schön bei euch so ein Einblick zu bekommen, ich war tief beeindruckt einerseits von diesem wunderbaren Haus und andererseits auch von euch und wie ihr da miteinander funktioniert.

00:49:01: Ja, ich durfte mich ins gemachte Nest setzen weil eben schon eine Gruppe da war die dieses Haus gesucht und gefunden hatten.

00:49:09: Und schon irgendwie umgebaut hatten zusammen und diese Wege geründet hatten und es wurde dann was frei und ich konnte dann einziehen.

00:49:16: genau aber es ist lustig.

00:49:18: also ich krieg schon auch ähnliche Reaktionen von Leuten die irgendwie... Also es gibt beides.

00:49:22: Es gibt solche die sagen Boah!

00:49:23: Ich würde auch total gerne so leben.

00:49:25: uns gibt solche sie sagen Oh, ich könnte das nie.

00:49:28: Wie macht ihr das dann mit dem Abrechnen und nur einen Kühlschrank für alle?

00:49:31: Und wer putzt?

00:49:33: gut... Wir haben eine Putzfrau für die Gemeinschaftsräume aber mit dem abrechnen ist es irgendwie überhaupt kein Thema.

00:49:38: also sind dann andere Themen, die sich die Leute vielleicht gar nicht so überlegen, die nicht so leben.

00:49:44: Aber

00:49:44: ja.

00:49:45: Was mir auch sehr geblieben ist, ist auch das was wir im Text gehört haben von dieser jungen Person dass Sitzung ein Wort ist die Kinder auch schon mitbekommen, oder?

00:49:57: Also warum magst du da ein bisschen aus dem Nähekästen raus?

00:50:00: Es ist

00:50:00: wirklich so lustig weil ich dieses Porträt nicht mehr gelesen habe seit Flavio auf der Welt ist glaube ich.

00:50:06: Oder jedenfalls jetzt noch nicht mehr in der Öffentlichkeit und jetzt erkenne wie viel... Sie auch so erlebt, ich glaube für sie sind unsere Sitzungen nicht so cool.

00:50:15: Weil sie halt zu Hause stattfinden und nicht irgendwie in der WG von... Zu anderen Kindern?

00:50:19: Keine Übernachtung möglich?

00:50:21: Nein!

00:50:21: Und wenn sie Glück hat bringt die achtzehnjährige sie ins Bett aber wenn nicht dann muss sie selber sich ins Bett bringen und dann mault sie dass wir schon wieder eine Sitzung haben müssen.

00:50:28: das findest du ganz blöd.

00:50:31: Aber ansonsten stimmt eben eigentlich schon ein bisschen.

00:50:34: der Titel des Porträts von Laura Das habe ich so, das Zitat rausgegriffen.

00:50:39: Ich fühle mich nicht als Einzelkind.

00:50:40: meine Familie ist riesig und es ist für meine Tochter schon auch so Und das ist auch sehr toll dass sie mit den beiden Eltern Kindern guten Kontakt hat vor allem Mit dem mit Linden.

00:50:51: Also ich blicke hier eben auch immer zu meiner Schwester ins Publikum weil wir sind zwar jetzt also Es kommt ja auch davon wie man queer definiert.

00:51:00: das wäre dann eine weitere Frage.

00:51:03: Aber ich würde sagen, wir sind in einer vielfältigen Familie groß geworden.

00:51:07: In verschiedenen Haushalten.

00:51:08: Ich bin zum Beispiel nicht mit ihr im gleichen Haushalt aufgewachsen aber wir haben sehr viel geteilt und sind uns sehr nah.

00:51:16: Und das Wort Sitzung kenne ich auch schon als Kind und dann hieß es auch immer so jetzt ist wieder mal Zeit für eine Familienzitzung und irgendwann war es dann aber auch so dass es nur nach Sitzungen gab wenn irgendwas nicht gut war Und das habe ich für mich so schon auch mitgenommen in mein Leben jetzt, dass es nicht unbedingt zur Krise kommen muss.

00:51:40: Es ist dann schon viel – also in meiner Herkunftsfamilie auseinandergefahren war da nicht alles so möglich wie man sich das vorgestellt hätte Was ich sehr stolz bin auf meine Eltern ist, dass wir alle Kinder uns verstehen.

00:51:56: Sechs Kinder mit unterschiedlichen Vätern, Müttern zum Teil keine ... Also auch das sogenannte Stiefel ... Nein!

00:52:08: Das Halbgeschwister, Stiefgeschwester so.

00:52:11: Aber wir verstehen uns alles sehr gut und sind uns alle sehr nahe.

00:52:15: Und ich glaube, dass das schon auch mit diesen Zitzungen und Festen zu tun hatte, wo wir zusammen kommen sind.

00:52:21: Gut, das ein bisschen zu mir.

00:52:24: Lisa wie ist es bei euch?

00:52:26: Macht ihr auch Sitzungen?

00:52:28: Vielleicht kann man wieder

00:52:30: auf Schwarz schalten.

00:52:31: Ja genau machen wir das

00:52:34: ab.

00:52:34: Also in Ostdeutschland nennen wir das Plenum aber ja.

00:52:39: also bei Sitzung denke ich tatsächlich an Karneval.

00:52:46: Kannst du das erklären,

00:52:48: Karneval?

00:52:50: Ich lebe in Leipzig.

00:52:51: Aber ich komme aus einem katholischen Dorf in Hessen in der Nähe von Mainz.

00:52:57: Und naja, also das ist so eine Karnevalstradition mit der ich aufgewachsen bin in so winzigen Dörfern.

00:53:04: Mit riesigem Karnevalverein.

00:53:06: Da macht der Verein immer so ne Sitzung was halt ne Riesen-Performance Show ist.

00:53:11: So Leute halten reden im Dialekt und es gibt... Also da wo ich herkomme In jeder Sitzungen die etwas auf sich hält gibts auf jeden Fall ein Männerballett.

00:53:22: Es gibt sogar einen Männer Ballett Festival in Kiedrich Dorf mit, ich glaube, dreieinhalb Tausend Einwohner innen.

00:53:32: Ja und ich glaube auch das war tatsächlich meine erste Konfrontation mit sowas wie queerer Ästhetik.

00:53:39: Und also dass es auch immer noch wenn ich auf einem Christopher Street Day bin oder auf irgendeiner alternativen Pride oder so dann schlägt auch so meinen Kinderherz wieder weil ich denke ach Es ist genau so schön wie Karneval aber noch schöner Weil's auch um quere Rechte geht.

00:53:57: Gut, wie kriege ich jetzt den Bogen?

00:54:01: Das kommt darauf an.

00:54:01: Aber das Plenum... Nein nicht!

00:54:04: Ja genau also das heißt ihr habt schon auch Verhandlungen so.

00:54:08: Kann

00:54:08: man sagen.

00:54:09: Also wir haben also Verhandlung in meiner Familie.

00:54:14: also schon bevor wir in dieser drei Elternkonstellation die Familie gegründet haben, haben wir ja sehr viel zusammen abgesprochen und Wir haben sogar, also Janne meine Partnerin hat sogar mit so einer Projektmanagement Software die sie mal in der beruflichen Weiterbildung erlernt hat.

00:54:32: Hat so einen Zeitplan gemacht auch wenn wir was machen müssen das hätte ich mal mitbringen können als Bild.

00:54:38: Das haben wir auch gemacht!

00:54:41: Ja und ich glaube dass ist nämlich tatsächlich... Also die Leinwand

00:54:45: hätten wir noch falls ihr dabei habt.

00:54:48: Also vielleicht nicht die Projektmanagement-Softlerne, aber diese intensiven Planungsprozesse sind halt schon sehr typisch für queere Familienkonstellationen.

00:54:56: Also dazu gibt es auch Forschung und das berichten schon viele Familien mit denen ich gesprochen habe für mein Buch dass so diese Aushandlungsprozese einfach total wichtig sind und ich glaube das ist auch der Grund weshalb wir sagen können Lesben sind die besseren Väter.

00:55:16: Nicht alles, was man sich so vorstellt ist so umsetzbar wie man sich das vorstellt.

00:55:20: Aber wenn man nicht die Mühe macht sich überhaupt vorzustellen dann geht es schon sehr häufig schief oder es endet konkret eben bei Heteropanen in der Regel damit dass Mütter dann in einer Rolle landen in die sie eigentlich nie wollten Und es gibt strukturelle Faktoren, die darauf hinwirken.

00:55:40: Das soll aber ja keine Entschuldigung sein vor allem nicht für die Heterophäter denn wir wissen hier alle dass es diese Strukturen gibt und eigentlich gibt's auch Strategien um dem entgegenzuwirken.

00:55:54: Aber wenn man die nicht anwendet dann ändert sich halt nichts.

00:55:58: Und das ist ja das, was sozusagen sehr viele heterosexuelle Mütter, die einen Anspruch haben an Gleichberechtigungen und Emanzipationen, an Feminismus wahnsinnig frustriert – für sie habe ich eigentlich vor allem dieses Buch geschrieben!

00:56:15: Also der Titel ist ja schon auch so polarisierend oder?

00:56:19: Es gibt ja schon Reaktionen auf diesen Titel.

00:56:22: Auch als ich das Interview mit dir gemacht habe gab es Reaktion.

00:56:28: Wirklich, also das kann man jetzt hinterfragen.

00:56:34: Also was sind so Fragen die an dich kommen in Bezug auf das Buch oder den Titel?

00:56:40: Ich fände es dann auch wirklich sehr schön, wenn du noch die Lesestelle auch lesen würdest weil dir ja dann auch gerade so ins Buch führt.

00:56:48: Aber vielleicht zuerst noch was zum Titel?

00:56:50: Wollte

00:56:51: ich sagen erst mal etwas zum Titeln!

00:56:52: Warum der

00:56:53: Titel?!

00:56:53: Ja also warum?

00:56:54: den Titel kann ich kurz machen.

00:56:58: Ich habe sehr lange mit dem Verlag diskutiert und ist nichts Besseres eingefallen.

00:57:02: Es war wirklich so... Und ich wusste ja, dass du mich was zum Titel fragen willst.

00:57:08: Deswegen habe ich mir hier ganz viele Notizen gemacht!

00:57:11: Ich kriege tatsächlich auf den Titel mehr Reaktionen als auf das Buch.

00:57:17: also ich krieg oft den Titeln.

00:57:19: auch Reaktion von Leuten die das Buch garantiert nicht gelesen haben wie zb Gottskubicek einem der wenigen berühmten Rechtsextremisten in Deutschland der sich überhaupt mit Büchern beschäftigt.

00:57:35: Der hat sich schon öffentlich über den Titel beschwert.

00:57:38: Ich glaube nicht, dass er es gelesen hat.

00:57:41: Aber den Titl hat er gelesen und das hat er geschafft!

00:57:45: Ja ich krieg von heterosexuellen Wüttern sehr viel Zuspruch und Begeisterung für den Titeln tatsächlich also ganz viele... Also auch Leute, die ich nicht kenne.

00:57:55: Die ich keine Ahnung in der Kneipetreffe über gemeinsame Bekannte oder so Wenn das Thema irgendwie aufkommt und dann Leute fragen hey du hast ein Buch geschrieben Geheißt es eigentlich?

00:58:05: Oder so und ich sage lesben sind die besseren Väter.

00:58:08: sehr viele hetera mütter reagieren mit Ja dass glaube ich auch Du hast bestimmt recht Eine Gruppe die sich oft drüber ärgert Und bei der ich das gar nicht so vorher gesehen habe sind schwule Männer Also teilweise Schule Väter, aber teilweise auch einfach Schule Männer mit Kinderwunsch.

00:58:30: Die sich nicht mit gemeint fühlen, obwohl sie mitgemein sind.

00:58:35: in den Situationen, denen ich mit ihnen dann drüber reden kann können wir uns sehr schnell wieder vertragen und fragen Sie ja was ist mit den Schulen Vätern?

00:58:42: Dann sage ich Ja die sind die noch besseren Väter Aber es passt halt nicht jede Differenzierung auf so ein Cover.

00:58:49: Und dann mögen wir uns wieder.

00:58:54: Ja, genau.

00:58:54: Und das letzte was ich noch sagen wollte zu Reaktionen auf den Titel ist dass tatsächlich so ein bisschen wie du es gerade beschrieben hast mit dem Interview, dass es schon so einen Muster gibt.

00:59:05: Es gibt Institutionen oder Gruppen oder so die mich einladen oder mit mir reden oder mir eine Bühne geben und dann aber am liebsten den Titeln unterschlagen würden.

00:59:16: also es gab tatsächlich auch schon Veranstaltungseinladungen in denen der Titel nicht genannt wurde Was ich wirklich ein bisschen lustig finde.

00:59:26: Ja, so viel!

00:59:27: Also ja also auf den Titel reagieren viele Leute.

00:59:33: Magst du uns ein bisschen

00:59:34: ins Buch nehmen?

00:59:38: Ich würde euch...

00:59:38: Es ist auch viel mehr noch da als nur der Titel.

00:59:42: Das Buch könnt ihr übrigens nachher auch am Büchertisch erwerben.

00:59:46: die Buchhandlungsvers hat Bücher mitgebracht und ihr werdet auch signieren Du und Chris.

00:59:53: Oder ich weiß nicht, ob Chris auch in dein Buch signiert oder umgekehrt?

00:59:57: Das ist eine total gute Idee!

00:59:59: Genau, aber

01:00:00: wer ... Und

01:00:01: Pascal darf natürlich auch signieren.

01:00:03: Und du

01:00:04: auch?!

01:00:06: Ja, ähm... ja, ich habe auch ... sag' ich jetzt damit ich nicht vergesse.

01:00:12: Ich hab sogar noch ein paar letzte Sticker dabei wo der Titel draufsteht Lesben sind die besseren Vierter.

01:00:18: Wenn ihr mich daran erinnert, kriegt ihr zum Buch oder zu irgendeinem Buch natürlich diesen Sticker dazu.

01:00:26: Ja genau ich nehme euch mit rein in das Buch indem ich euch einfach ein Stück daraus vorlese erst mal vom Anfang und dann vom Ende.

01:00:35: aber wir fangen mit dem Anfang an.

01:00:39: Nichts was ich hier schreibe ist wirklich originell.

01:00:43: nichts davon basiert auf bahnbrechenden neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen.

01:00:48: Sogar die Ideen, die ich selbst hatte und auf die ich im Moment meiner Erkenntnis sehr stolz war, habe ich später in dreißig Jahre alten Büchern gefunden.

01:00:57: Tatsächlich sind die Phänomene und Zusammenhänge, die Ich erläutere spätestens seit den neunzig Jahren des letzten Jahrhunderts mehr oder weniger umfassend erforscht worden.

01:01:06: Viele kluge Menschen – Sozialwissenschaftlerinnen, JournalistInnen, TherapeutInnen und AktivistenInnen – darunter einige Zis-Männer haben Artikel und Bücher darüber geschrieben!

01:01:17: Die meisten dieser Texte bemühen sich sehr um einen sachlichen Ton.

01:01:21: Sie wollen Ängste abbauen, Verständnis wecken, bloß keine Emotionen hochkochen lassen!

01:01:28: Ich habe großen Respekt vor dieser Strategie – doch sie ist nicht meine.

01:01:36: Im Vergleich mit der Elternschaft in heterosexuellen Kleinfamilien die vor allem Mütterunverhältnismäßig belastet, bietet die Elternschaft in queeren Konstellationen eine Menge Vorteile.

01:01:48: Regenbogenfamilien teilen sowohl bezahlte als auch unbezahlte Arbeit gleichmäßiger auf, als Hetero-Kleinfamilie.

01:01:55: Außerdem sind wir mit unserer Arbeitsteilung deutlich zufriedener als hetero-klein Familien – unabhängig davon wie dieser aussieht!

01:02:03: Für alle Eltern die Gleichberechtigung wichtig finden oder zumindest interessant können queere Eltern also Vorbilder sein.

01:02:16: Viele Menschen haben in den letzten Jahren eine Menge Energie darauf verwendet, Familien wie meine zu normalisieren Ängste abzubauen, Kontakte zu schaffen.

01:02:25: Den Konservativen zu zeigen... Schaut her!

01:02:28: Wir sind ganz normale Menschen.

01:02:31: Wir wollen euch nichts

01:02:32: Böses.

01:02:33: Wir sind keine Bedrohungen für euer Lebensmodell und nehmen euch nichts weg.

01:02:38: Wir werden weder die Heteroziss-Ehe verbieten noch die Gartenzwerge aus euren Vorgärten klauen.

01:02:44: Wozu brauchen wir schon Gartenswerge?

01:02:47: Lange habe ich selbst an dieses Narrativ geglaubt.

01:02:50: Deshalb verstand ich nicht, wieso die Heterosexismus-Lobby Lebensentwürfe wie meinen so brutal bekämpft.

01:02:57: Viele Kampagnen für die Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Paare liegen falsch – wenn sie versuchen, die gesellschaftliche Bedeutung ihrer Forderungen herunterzuspielen.

01:03:06: Schreibt die Feministin Antje Schrubb in ihrem Buch Schwanger werden können!

01:03:11: Wenn Paare sich nicht mehr entsprechend ihrer reproduktiven Funktion zusammenfinden bricht vielmehr die ganze Logik des zweigeschlechtlichen Systems in sich zusammen.

01:03:22: Das selbe Argument hat die US-amerikanische Feministin Rebecca Solnit bereits im Jahr zehntausend dreizehn gebracht.

01:03:28: Und schon nineteenhundertvierundsiebzig beschrieb die ostdeutsche Autorin Irmstraut Morgner in ihrem romanen Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spiefrau Laura, das männefreie Zusammenleben unter Müttern als Utopi.

01:03:45: Und das ist eigentlich genauso ein Modell wie das von Laura was du Vorhin vorgelesen hast.

01:03:49: du in deinem Text und sogar der gleiche Name.

01:03:54: Wir wissen, dass sich Frauen eine gleichberechtigte Aufteilung von Lohn- und Sorgearbeit dringender wünschen als Männer!

01:04:02: Wir wissen das Selbstväter die dieses Ideal teilen ihm in der Praxis nur sehr selten gerecht werden.

01:04:09: Wir wissen sogar, dass die heterosexuelle Ehe das Leben von Männern verlängert während sie des Lebens von Frauen verkürzt.

01:04:17: All das wissen wir.

01:04:19: Und trotzdem erwarten viele Menschen von klugen, selbstbewussten Frauen noch immer hetero-klein Familien mit Männern zu gründen.

01:04:28: Als gäbe es dazu keine Alternative – das Ding ist, es gibt Alternativen!

01:04:35: Ich lebe eine solche Alternative jeden Tag und meine Alternative ist nur eine von vielen Möglichkeiten.

01:04:42: Was passiert wenn diese Alternatifen aus dem Schatten der gesellschaftlichen Ignoranz treten?

01:04:47: Wenn die Regenbogenfamilie, die Ko-Elternschaft.

01:04:50: Das Solo-Mama-Modell oder die intentionale Kinderlosigkeit keine belächelten Rettungswege für gescheiterte Freaks mehr sind sondern naheliegende Optionen für alle?

01:05:03: was dann passieren würde das ahnen auch Männer wie Sven von Storch und Jürgen Ellsesser wenn ihr die nicht kennt.

01:05:11: ich muss kurz einen Schluck trinken.

01:05:17: wenn ihr sie nicht kennt habt ihr gar nichts verpasst.

01:05:22: zwei uninteressante Rechtsextremisten, mit denen ich mich in dem Buch vorher schon so ein bisschen auseinandersetzen musste.

01:05:31: Tief an seinem Innern weiß der Antifeminist jede klardenkende Frau würde lieber eine Frau wie mich heiraten als einen Mann wie ihn.

01:05:41: Genau deswegen sind Familien wie meine der Albtraum der Heterosexismus-Lobby.

01:05:46: weil der Antipfeminist sich selbst nicht ändern will bekämpft er Frauen wie mich und Familien wie meiner.

01:05:54: Für viele Frauen ist eine Ehe mit einer Frau auf vielen Ebenen angenehmer als eine Ehen mit einem Mann.

01:06:00: Bei dieser Feststellung geht es mir nicht um Sex, Sexualität und Ehe hängen ja nur am Rande zusammen sondern um die Ehe als soziale Institution der Arbeitsteilung wie ne WG quasi also die Eher als WG.

01:06:13: In den letzten Jahren habe ich in meinem Körper einen neuen Menschen gemacht Ingeboren, fast zwei Jahre lang gestillt und währenddessen den Lebensunterhalt durch Lohnarbeit für drei Personen verdient.

01:06:25: Zusätzlich habe ich fast jede Woche unaufgefordert das Bad geputzt.

01:06:30: Damit habe ich mehr Aufgaben übernommen als die allermeisten heterosexuell verheirateten Männer.

01:06:36: Definitiv mehr als wenn von Storch!

01:06:38: Der hat nämlich im Gegensatz zu mir keine Kinder.

01:06:45: Danke Lisa

01:06:51: Ich habe noch was vom Ende des Buches.

01:06:52: Ich weiß nicht, ob ich das mache?

01:06:54: Vielleicht jetzt gleich oder ja total weil ich bin so ein bisschen genau.

01:06:59: also ihr müsst euch vorstellen da liegen ungefähr zweihundert Seiten dazwischen.

01:07:10: und naja aber ich schreibe dass jetzt hier auf Seite zweihundertfümunddreißig.

01:07:18: in diesem buch habe ich an vielen Stellen die zahlreichen vorteile queerer familien angepriesen.

01:07:24: Ich habe gezeigt, viele von uns leben die Gleichberechtigung und Solidarität, von der die meisten Hetero-Kleinfamilien nur träumen können.

01:07:33: Das ist großkotzig – und es ist wahr!

01:07:37: Wissenschaftliche Belege dafür gibt's genug….

01:07:39: also ich hab insgesamt fünfundundneunzig Endnoten... Ich bin der Überzeugung meine Großkotzigkeit isst empirisch fundiert.

01:07:49: Trotzdem ist das nicht die ganze Wahrheit.

01:07:51: Die andere Hälfte der Wahrheit ist nämlich, es ist auch für Eltern wie mich wahnsinnig anstrengend an dieser Welt Kinder groß zu ziehen.

01:08:00: Während ich Text um Text verschlangen über die herausragende elterliche Kompetenz von Regenbogenfamilien, den konstruktiven Umgang mit Konflikten in queeren Beziehungen und über das glückliche Sexleben anderer Queers fühlte ich mich häufig selbstdefizitär.

01:08:16: An manchen Tagen war ich der Überzeugung, ich sei die schlechteste Mutter unter dem Regenbogen.

01:08:23: Da ich mittlerweile weiß dass Regenburger Familien vieles besser machen als hetero-klein Familien kann ich mich auch nicht mehr dadurch selbst beruhigen das sich mich getreu der gutwürgerlichen Tradition des unsolidarischen Wettbewerbsuntermüttern mit Eltern in hetero Kleinfamilien vergleiche.

01:08:41: Natürlich schlage ich mich als Mutter nicht viel schlechter als der Durchschnitt.

01:08:44: Der durchschnitt ist ja heterosexuell.

01:08:48: Als Queremutter müsste ich, statistisch gesehen immer überdurchschnittlich gelassen, empathisch und engagiert sein.

01:08:57: Bin ich aber

01:08:57: nicht!

01:09:00: Während ich mich in Selbstzweifeln verliere steigen die Umfragewerte der AfD.

01:09:05: Die Hyterosexismus-Lobby will die Welt davon überzeugen dass Kinder wie meines sich vor allem einen richtigen Vater wünschen.

01:09:12: Ich bezweifle das Typen wie Sven von Storch jemals mit einem Kind wie Luna darüber gesprochen haben was sie selbst

01:09:18: will.

01:09:19: Die Wünsche meines Kindes sind viel radikaler als wenn von Storch sich das in seinen wildesten Albträumen vorstellen kann.

01:09:27: Mein Kind interessiert sich wenig für die Sichtbarkeit von Regenbogenfamilien und noch weniger, für die gleichberechtigte Aufteilung von Haus-und Sorgearbeit.

01:09:37: Ihre Ideale sind eine Nummer größer!

01:09:40: Letztens sollte sie im Freundschaftsalbum einer Kita-Freunden eine Doppelseite ausfüllen.

01:09:45: Hier ist Platz um etwas zu malen.

01:09:47: was du dir wünschst stand über einem leeren Kasten.

01:09:50: Luna nahm ihren Regenbogenbund Stift und krizelte den Kasten voll mit wilden Linien.

01:09:56: Hier habe ich geschrieben, was ich mir wünsche – erklärte sie mir!

01:10:00: Und?

01:10:00: Was wünschst du

01:10:01: dir?!

01:10:03: Ich wünsche mir,

01:10:04: dass

01:10:04: kein Krieg mehr passiert, dass es keine Polizei mehr gibt und die iranischen Frauen anziehen können, was sie wollen.

01:10:12: Mein Kind will keinen Vater.

01:10:14: Mein kind will globalisierte Solidarität.

01:10:17: Mit Blick auf die Lage der Welt wird klar wie recht sie damit hat.

01:10:21: Wir brauchen eine Solidarität, die Grenzen springt heute mehr denn je.

01:10:26: Dankeschön!

01:10:27: Entschuldigung ich musste schnell auf die Zeit schauen.

01:10:43: Wir lachen ja auch viel also es hat auch...

01:10:46: Ja das erleichtert mich nicht.

01:10:47: Es

01:10:47: ist auch Kosmos darin und Trotzdem ist es nicht nur lustig, oder?

01:10:54: Also du hast zu Beginn der Veranstaltung angesprochen.

01:10:58: Auch die politische Lage eben... Du machst dich jetzt hier lustig über rechtsradikale trotz des Messers real diese Bedrohung.

01:11:10: und weil wir schon nicht ganz am Schluss aber schon gegenschluss gehen Möcht ich dir trotzdem die Gelegenheit geben dass zu sagen, was du dazu noch hier in diesem Rahmen sagen möchtest?

01:11:26: In Bezug auf Politik.

01:11:29: In Bezugs

01:11:29: auf

01:11:30: politische Forderungen aktuell die dir wichtig sind.

01:11:34: Ich

01:11:35: glaube ich bin gar nicht die beste Person für so realpolitische Reformen.

01:11:43: Diese Aufgabe übernehmen Leute bei Queerenvereinen und Verbänden sehr viel besser als ich das kann, ehrlich gesagt.

01:11:52: Also natürlich brauchen wir eine Anerkennung von nicht gebernen Elternteilen, von Nichtbinärenelternteilen, vom Transelternteil von mehr Elternfamilien und so weiter und so fort.

01:12:02: Das ermüdet mich ehrlich gesagt total da immer drüber reden zu müssen nur weil ich über queere Familien rede, weil eigentlich interessiert mich vor allem wie man die Haus- und Sorgearbeit gerecht verteilt in verschiedenen Familienkonstellationen.

01:12:19: Das ist

01:12:21: eigentlich auch

01:12:24: politisch.

01:12:25: Wenn man die ganze Zeit nur putzt, hat man ja keine Zeit mehr für Sitzung.

01:12:28: Also das ist der Punkt.

01:12:31: Lass Sven von Storch doch das Klo putzen ganz ehrlich!

01:12:35: Da halten wir alle was davon.

01:12:39: Aber wenn ich zwei Reformvorschläge machen soll dann würde ich sagen vor allem Alleinerziehende Eltern ökonomisch besser ab... sichern und die Erzeugerrolle entkoppeln von jeglichen Rechten.

01:12:54: Ja, also ich finde nicht dass ein Mensch nur weil er Sperma beigesteuert hat irgendwelche Macht kriegen sollte.

01:13:05: das war im Kenia vor der europäischen Kolonialisierung auch nicht so und es war das bessere System würde ich sagen.

01:13:14: Ich lasse das hier so stehen.

01:13:16: Ja,

01:13:17: ich glaube auch sonst verschwinden wir selbst.

01:13:20: Darf

01:13:20: ich noch dazu fragen?

01:13:23: Wie... Also du sagst es ist eigentlich dein viel größeres Anliegen die gerechte Arbeit von Sorge... Die gerechte Verteilung von Sorgearbeit.

01:13:32: wie kriegen wir das hin?

01:13:35: dass es eine gerechte Verteilung von Sorgerarbeit gibt, die du ja sagst ist jetzt in lesbischen Modellen viel eher gewährleistet.

01:13:44: Vielleicht da wirklich klar, wir haben auch genug davon immer zu sagen ja lernt doch von uns und wir zeigen euch wie es geht.

01:13:52: Auch das ermüdet ihr.

01:13:54: trotzdem die frage stellen was machen denn jetzt

01:13:58: also?

01:13:59: was macht was macht lesben zu den besseren fitern?

01:14:02: also ich glaube ein punkt sind die schon angesprochenen sitzungen also tatsächlich eben eine planung und eine verhandlung an die sich tatsächlich dann lesbische Paare auch halten in einem Ausmaß, dass sie Sozialwissenschaftlerinnen immer wieder fassungslos macht.

01:14:16: Die versuchen nämlich ständig so heteronormative Hierarchien in lesbischen Familien zu finden und Scheitern daran.

01:14:25: Ja und ich habe ganz verschiedene Strategien aufgezeigt.

01:14:29: in meinen Wuchen kann es jetzt schlecht alles so kurz fassen aber Eine Sache, die ich wahnsinnig wichtig finde ist tatsächlich langfristig zu denken und einen langfristigen Ausgleich mitzudenken.

01:14:40: Ja also wenn eine Person zum Beispiel jahrelang sich auf Kinderbetreuung konzentriert was auch in Queerenfamilien gar nicht so selten vorkommt, dann muss es dafür irgendwann einen Ausgleich geben.

01:14:54: Die Tatsache dass die eine Mutter gerade den schlechteren Job hat oder weniger Geld verdient oder weniger Erfahrung hat oder so spricht nicht dafür das sie den Hauptteil der Kehrarbeit macht und da nicht mehr rauskommt sondern das spricht explizit dagegen.

01:15:10: Das finde ich auch wahnsinnig spannend im Gesprächen mit Frauenpaaren die gemeinsame Kinder geplant haben.

01:15:16: so berufliche Erwägungen und Karriere stehen nicht im Vordergrund bei der Entscheidung, wer das Kind zur Welt bringt.

01:15:22: Aber wenn sie eine Rolle spielen dann ist es die umgekehrte Logik im Vergleich zu dem was Hetero Familien zumindest behaupten.

01:15:32: ja ob das wirklich so ist?

01:15:33: Das ist nochmal ne andere Frage.

01:15:35: Dann sagen nämlich Leute naja also ich hatte einen unbefristeten Arbeitsvertrag deswegen habe ich das Kind bekommen.

01:15:40: Na klar aber für meine Partnerin wäre es ja das viel größere Risiko gewesen.

01:15:45: Wir versuchen tatsächlich Machtgleich zu verteilen und Risiken gleich zu verteilten.

01:15:52: Und das führt dazu, dass langfristig sowohl mehr Unabhängigkeit und damit auch mehr Kooperation möglich ist.

01:15:59: Weil die Gefahr, dass diese Beziehung in Zwang kippt einfach sehr viel geringer ist.

01:16:07: Danke dir!

01:16:09: Diese ungerechte Verteilung führt ja auch sehr oft in finanzielle Abhängigkeiten und diese wiederum führt auch auf den Gewaltabhängigkeiten.

01:16:21: Viele Frauen, die dann nicht aus diesen heteronormativen Konstrukten herauskommen, aus diesen Abhängigkeit.

01:16:28: Ich möchte das einfach... Anfügen, weil das auch etwas ist was mir sehr am Herzen liegt.

01:16:35: Es geht nicht alleine um Geld oder es geht nicht allein um wer putzt das Klo sondern im Endeffekt geht's eben auch um Gewaltprävention

01:16:44: und total

01:16:45: genau.

01:16:46: Das war für mich auch wirklich so ein mindblowing Moment in der Recherche als ich festgestellt habe dass das Risiko, Opfer von Gewalt zu werden in einer Beziehung ganz genau, statistisch ganz genauso verteilt ist.

01:16:59: In der gleichen Kurve wie die Ungleichverteilungen von Haus und Sorgearbeit?

01:17:05: Genau!

01:17:05: Und dann ist ja die heteronormative Lösung ist dann Frauen geht doch einfach mehr arbeiten und sorgt für euch selbst und das ist eben nicht zu Ende gedacht absolut nicht.

01:17:15: Das ist einfach in diesem kapitalistischen System quasi den Neuerliegenste-Lösung.

01:17:21: Ich

01:17:22: bin überzeugt, Lisa.

01:17:23: Wir werden noch in anderen Formaten noch mehr und noch vertiefter darüber sprechen.

01:17:27: Danke für dein Buch Und dass du uns darin mitgenommen hast.

01:17:31: kauft das Buch Weil kapitalistisches System halt.

01:17:36: doch sage ich immer wieder wir müssen auch leben Aber es lohnt sich hier.

01:17:43: man lernt sehr viel Pascal

01:17:48: Was

01:17:49: jetzt?

01:17:50: Aber was dich ja schon auch beschäftigt und du hast uns auch noch Texte mitgebracht.

01:17:54: Ich möchte es nicht versäumen, dass du uns auch nog lesen kannst.

01:18:00: Dich beschäftige das Thema Reproduktion Schwangerschaft auch.

01:18:07: inwiefern siehst du jetzt den Zusammenhang hier zu dem was Lisa sagt?

01:18:14: Also ich sehe ganz viele Schnittstellen.

01:18:17: Er sich forsche ja zur Zeit, ich mache eine künstlerische Forschung, die eine transdisziplinäre Arbeit ist, die sozusagen Kunst-, Kulturanalyse und die Hebermerei verbindet.

01:18:30: Ich forsche zu Schwangerschaften und Verlust, inspiriert oder in Anlehnungen an die Geschichte meiner eigenen Mutter, die in neunzehnt sechsten siebzig ihr erstes Kind kurz vor dem errechneten Termin Tod geboren hat Und das damals eine Zeit war, wo sie in ihrem Kontext – also erstens hat sich das Kind aus hier geboren und hat nie gesehen.

01:18:53: Weil das behannende Personal damals der Meinung war dass sozusagen das Nichtsehen des Kindes weniger Schmerz verursacht für die weitere Verarbeitung Genau und was aus meiner Perspektive hat gerade auch in der Geburtshilfe sehr oft fehlt ist sozusagen eine erweiterte Familie, weil auch sozusagen in der Geburtshilfe zumindest in unserem Kontext jetzt schweizweit oder in umliegenden Ländern sich die Geburt auch sehr stark meistens auf die Kleinfamilie reduziert.

01:19:28: Was aus meiner perspektiven Fehler.

01:19:33: Und es gibt diesen Begriff ja Gossip, den wahrscheinlich alle von euch kennen.

01:19:38: Der heute sowas wie Tat meint und sich vor allem auf Frauen bezieht.

01:19:46: Das hat eine klar historische Misogynne Geschichte.

01:19:49: darüber schreibt zum Beispiel Silia Federici aber auch Rachel Reed die vorschlägt die ganzen Lebenstransitionen wie Schwangerschaft, Geburt alt werden und so weiter wieder mehr ins Zentrum zu setzen als soziale Praktiken.

01:20:09: Und der Gosseb meinte im Mittelalter also im englischen Mittelalter zumindest eine Gruppe von Frauen, die sich kümmerten um die ganzen Prozesse.

01:20:22: das waren dann in der Regel in einer Gemeinde Nachbar, in einem Gemeindefrauen spirituelle Leute von der Kirche und so weiter oder Verwandte.

01:20:35: Uns gibt es Fresken aus dem Mittelalter, wo dann auch die verschiedenen Szenen zu sehen sind wie sich diese vielen Menschen dann kümmern ja?

01:20:43: Die kochen, die kümmern sich um Geschwister, die kümmern sich um physische und mentale Arbeiten rund um die transitionierende Frau usw.. Und ich finde das ein unglaublich schönes Bild.

01:20:57: Der Gossip mündete auch im Wochenbett in Fessivitäten, weil die Frauen da unter sich waren.

01:21:04: Das wurde dann auch von englischen Gemeinden und Städten reguliert, weil sozusagen die Frauen zu lange wegblieben von ihren ehelichen Pflichten.

01:21:17: Und

01:21:17: sozusagen, also das viel wichtigere finde ich.

01:21:20: Es war halt ein Ort der Wissensvermittlung und der Wissen zweiter Gabe ja?

01:21:26: Wie wir wissen sind Frauenwissen über sechzehnte- und siebzehnte Jahrhundert auch die Frauenhexenverfolgung von Männern apropriert von den Frauen weg gewendet usw.

01:21:38: geworden und endet eben gerade in diesem Gossip Begriff, in diesem Ausmaß von sozusagen dieses Wissen, dieses Frauenwissen aus dieser Zeit wird sozusagen als dieses schlechte halbewissende Geschwätz reduziert.

01:21:56: Genau das ist was mich sehr interessiert und was ich auch anschlussfähig finde.

01:22:01: jetzt zum Kerrbegriff und für Sorge ganz generell und alternative Möglichkeiten.

01:22:07: Versuch auch, über Workshops und verschiedene Formate diesen Gossebegriff zu reaktivieren.

01:22:15: Gerade in Resonanz mit Räumen oder historischen Frangeschichten.

01:22:21: Ja, guckt!

01:22:25: Danke vielmals.

01:22:27: Das ist ja auch Wissen, dass so unsichtbar gemacht wird.

01:22:32: Und ich bin sehr dankbar, dass du das reaktivierst und auch Silvia Federici

01:22:40: die

01:22:41: viel zu Hexen gemacht hat und eben auch überhaupt einfach das Frauen, das queere Menschen dieses Echo geben, dass wir das nicht verschwinden lassen und dass wir es nicht überschreiben lassen mit diesen falschen Erzählungen quasi.

01:22:58: Und das ist am Schluss dann eben etwas einfach so Gemeinschaftliches Wichtiges stärken, das so abgewertet wird.

01:23:06: Ich glaube schon, dass es total wichtig ist uns immer wieder daran erinnern was eigentlich die Geschichte ist.

01:23:15: Ja, dass wir das auch einfach wieder reaktivieren können.

01:23:18: Jetzt hast du uns ja auch einen Text dazu mitgebracht oder?

01:23:24: Wir hätten jetzt noch Zeit diesen zu hören und dann wären wir ein Jahr ziemlich gut in der Zeit gegen Schluss.

01:23:34: Außer du musst es nicht lesen... Darf ich sagen, dass dieses Queer Altern ein bisschen noch mal.

01:23:42: Nein, das ist ein Kompliment!

01:23:45: Die Brille steht dir sehr gut.

01:23:50: Ich habe einen ganz kurzen Text mitgebracht aus einer Serie Bücher die sich Kitchen Politics nennt und sich mit feministischen Themen auseinandersetzt.

01:24:02: Dieser Band heißt Mehr als Selbstbestimmung Kämpfe für reproduktive Gerechtigkeit.

01:24:09: Mir immer ein sehr großes Anliegen, wenn es um Rechtsverteilung geht im Kontext von Reproduktion.

01:24:15: Weil da auch so viele mehr betroffen sind aus queere Menschen.

01:24:19: und dieses Buch basiert auf Grundlagentexten von Loretta J. Ross eine Afroamerikanerin die in den neunziger Jahren sich mit anderen schwarzen intersektionalen Frauenrechtlerinnen und auch eben im Kampf für andere Rechte natürlich sehr klar auch gegen weiße feministische Bewegungen geäußert haben.

01:24:44: Nämlich kam gerade in den neunzeiger Jahren die Pro-Joyce-Bewegung sehr groß auf, wo es vor allem um das Recht für Schwangerschaftsunterbruch ging.

01:24:58: und bis spät in die neunzige Jahr wurden aber grade in den USA sehr viele schwarze Frauen und Frauen auf Kohler zwangssterilisiert.

01:25:07: Es gab immer staatliche Regulationen bis heute, die eine bestimmte Gruppe von Menschen die Reproduktion auch erschweren.

01:25:17: Und da haben sich dann eben schwarze Frauen aufgebaut und gesagt ProJoyce bedeutet für uns die Wahl, Kinder zu bekommen.

01:25:28: Und das ist einfach so.

01:25:30: eine kleine O-Marsch auch an der Arbeit dieser Frau.

01:25:39: Reproduktive Gerechtigkeit basiert auf einer Reihe von miteinander verbundenen Menschenrechten.

01:25:45: Erstens Das Recht ein Kind unter selbstgewählten Bedingungen zu bekommen.

01:25:52: Zweitens Das recht kein Kind zu bekommen mit Hilfe von Empfängnisverhütung Abtreibung oder sexueller Abstinenz.

01:26:02: Und drittens, das Recht Kinder in einer sicheren und gesunden Umgebung frei von individueller oder staatlicher Gewalt großzuziehen.

01:26:12: Im Jahr zwölf fügten jüngere Aktivistinnen einen vierten Grundsatz hinzu – Das Menschenrecht auf sexuelle Autonomie geschlechtliche Selbstbestimmung und sexuelle Lust.

01:26:24: Reproduktive Gerechtigkeit war nie als Ersatz für das Konzept der reproduktiven Gesundheit im Sinne der Gesundheitsversorgung oder daß der reproduktiven Rechte als Einforderungen von formalen Rechten gedacht.

01:26:38: Stattdessen stellt es ein erweitendes Organisierungskonzept dar, um die intersektionalen Unterdrückungsformen in den Blick zu nehmen, welche die körperliche Unverseht sehr teils schwarze Frauen gefährden Und es trieb eine schnell wachsende Bewegung von Aktivistinnen auf Kolla aus vielen unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten an, für reproduktive Würde zu kämpfen.

01:27:03: Danke schön!

01:27:14: Magst du das Buch nachher hier noch auflegen?

01:27:16: Dass man das fotografieren kann falls es nicht auf dem Büchertisch wäre.

01:27:20: Du hast auch ein zweites mitgebracht hättest eigentlich auch noch daraus gelesen.

01:27:24: Das ist für dich aber so okay.

01:27:29: Also wir hätten schon...

01:27:30: Ja, also es ist auch sehr ein kurzer Abschnitt.

01:27:33: Das ist

01:27:35: von Maggie Nelson der Argonauts.

01:27:39: Ist ein autotheoretischer Roman von einer Person, also von einer Frau die mit einem Transmann ein Kind bekommt und ich mag... Es

01:28:01: ist sicher auch spannend zum Zuhören im Podcast.

01:28:04: Ich werde es einfach so stehen lassen, damit man sich beim Hören jetzt fragt was da passiert?

01:28:10: Nein!

01:28:11: Die Brille...es war die Brille, die war verstaut und Pascal hat jetzt die Brile angezogen, hat jetzt das Mikro wieder, Lisa hat das Buch gehalten.

01:28:20: So, das nennt man Care.

01:28:21: Und jetzt ist Pascal bereit für den zweiten Leseteil.

01:28:30: Ist Schwangerschaft an sich schon queer Insofern sie den normalen Zustand eines Menschen grundlegend verändert und radikale Intimität mit dem eigenen Körper

01:28:44: wie auch

01:28:44: eine ebenso radikal Entfremdung von ihm zufolge hat.

01:28:49: Wie kann eine so fundamental fremde, wilde und transformative Erfahrung zugleich?

01:28:57: Ultimative Konformativität – no!

01:29:01: Konformität symbolisieren oder inszenieren.

01:29:05: Oder ist das nur ein weiteres Beispiel dafür, dass alles was eng verbunden ist mit dem weiblichen Tier von den privilegierten Begriffen fernzuhalten?

01:29:15: Ist in diesem Fall von den begriffen Nonkonformität und Radikalität?

01:29:23: Wie verhält es sich mit der Tatsache, dass Harry weder männlich noch weiblich ist?

01:29:30: Ich bin etwas Besonderes.

01:29:32: Zwei für einen erklärt seine Figur, Valentine in by hook of by crook.

01:29:40: Wann oder wie armen neue Verwandtschaftssysteme ältere Arrangements der Kernfamilie nach und wann?

01:29:48: Oder wie können sie diese auf so radikale Weise retextualisieren dass Sie ein Umdenken über Verwandtschaft bewirken?

01:29:57: Wie bemerkt man das?

01:29:59: Wer ist in der Position, das zu bemerken?

01:30:04: Dankeschön.

01:30:15: Ja, das Radikalste was ich glaube gemacht habe sind auch diese zwei Kinder auf die Welt zu stellen und was sich dann immer krass finde ist zu merken wow das erste ist einundzwanzig.

01:30:27: Ich bin erst in den Jahren, als ich mein erstes Kind geboren habe.

01:30:33: Es geht einfach so radikal schnell und meine Mutter hat mir das immer gesagt.

01:30:39: Wir sehen es geht so schnell vorbei.

01:30:41: Und ich so ... Nein!

01:30:43: Es ist erst drei Monate alt und ich kann nicht schlafen.

01:30:46: Und

01:30:47: wann ist es

01:30:47: groß?

01:30:48: Dann war sieben und wann wird's noch größer?

01:30:50: Aber es geht einfach sehr schnell.

01:30:53: Es passiert gleichzeitig manchmal so wenig Und ich danke euch so fest, dass wir hier miteinander sprechen konnten.

01:31:05: und auch hier passiert meistens sehr viel.

01:31:09: Und manchmal sind es aber auch kleine wenige Worte, Momente, Lacher die total viel Verbindung schaffen und ich bin mega glücklich weil ich finde das ist hier heute auch passiert und möchte euch danken, dass das möglich war bevor ich zu unserem Abschlussritual komme, aber ich möchte ganz herzlich bei euch drei schon mal bedanken dafür.

01:31:49: Es gehört so zu dieser Reihe, dass meine Gästinnen wenn sie das möchten und in dieser Zeit der Vorbereitung oder auch an diesem Tag auf was Stoßen etwas mitbringen.

01:32:00: Was sie mit dem Thema verbindet?

01:32:03: Und ich glaube es hat da heute Abend auch gezeigt, dass wir ja für Überfass alles was wir jetzt gesprochen haben hätten wir schon diese neunzig Minuten sprechen können und vieles konnten wir nicht vertiefen.

01:32:15: vielleicht aber dazu ein etwas noch zu vertiefen.

01:32:21: Bei mir ist es so, dass ich einen Armband mitgebracht habe also man sieht das wahrscheinlich nicht so gut.

01:32:30: Es sind verschiedene Steine und es hat einen Anhänger Mit einer Lotusblüte Und diese Lotusblütte die hat eine Bedeutung Die steht für unterwidrigsten Umständen gedeihen Und die Blüte, also die Wurzeln sind im Sumpf und in der Dunkelheit.

01:32:53: Die blühen dann trotzdem.

01:32:55: Ich habe diese Kette unter anderem meiner Schwester geschenkt und auch meine Tochter.

01:33:00: Und ich hätte eigentlich noch eine für meinen Sohn aber er möchte sie nicht unbedeckt tragen!

01:33:07: Und ich verschenke solche Sachen sehr gerne im Sinne von Verbindung.

01:33:14: Ja, für mich ist das Kerl ein anderer Sachen Schenken verbunden sein.

01:33:20: Familie sein und es geht über die biologischen Verbindungen hinaus und deshalb habe ich diese Kette mitgebracht.

01:33:28: Genau!

01:33:29: Was habt ihr denn so mitgebracht?

01:33:33: Chris hast du was mitgebrochen?

01:33:36: Nein?

01:33:36: Du

01:33:37: hast die Fotos

01:33:38: mitgebracht.

01:33:38: Ich dachte genau,

01:33:39: das war so ein bisschen... Absolut!

01:33:41: Ja.

01:33:41: Das ist also... Aber ein

01:33:43: Objekt ist eigentlich eine sehr schöne Idee.

01:33:45: ich habe gerade überlegt hab ich irgendwas an mir was ich jetzt noch umfunktionieren kann?

01:33:48: aber leider nein.

01:33:51: Aber die Fotostes sind wirklich sehr toll und nochmal Danke vielmals dafür.

01:33:56: Pascal, hast du auch was mitgebraten?

01:33:58: Ja ähm.. Also ich habe noch etwas zum Gossip mitgebracht.

01:34:04: Also eine Methode, weil ich ja sehr gerne in Praktiken denke oder tu, schlage ich sehr oft auch so Tätigkeiten vor zu Beginn eines Zusammengeschichten-Teilens oder was dann immer in diesen Räumen reaktiviert wird.

01:34:25: und hier zum Beispiel in meinem ersten Gossip Workshop habe ich alle Teilnehmerinnen eingeladen Mit so einem Zoomloom, das ist ein achtiger Jahre amerikanisches Webrämchen.

01:34:41: Und damit lassen sich ganz einfach kleine Karusweben, wo wir sozusagen über die Praxis des Webens in einen Miteinander gekommen sind und über die praxis des webens auch in einen Sprechen gekommen sind diesen Gossebegriff eben in Resonanz auch mit Praktiken, die klassischerweise auch historisch sehr stark mit Frauen verbunden sind.

01:35:11: Auch wieder reaktivieren und jedes Karo steht auch für eine Verlustgeschichte im Kontext von Schwangerschaft und damit Wachsendecken über die Zeit genau.

01:35:24: Danke vielmals Lisa und du hast uns auch bei dir waschig ist jetzt.

01:35:30: Ja, ich habe ein Buch mitgebracht.

01:35:34: Aber nicht meins also auch aber das wisst ihr schon genau dass hier einen Sammelband herausgegeben von Silvia Tamale einer der Streitbasten Feministinnen von Kenia.

01:35:49: Und zwar würde ich euch gerne ein Gedicht vorlesen.

01:35:53: Das ist ein Gedich sehr, sehr berührt von Hakima Abbas.

01:36:01: Napan-afrikanischen Feministinnen die ja auch sehr viel Zeit verbringt mit schwarzer feministischer Arbeit in Afrika und darüber hinaus.

01:36:13: also ich sage jetzt Afrika.

01:36:14: sie kommt aus der Gippen.

01:36:15: als ich sie das letzte Mal gesehen hat lebte sie in Ghana.

01:36:18: also sie ist sehr umtriebig und das Gedicht heißt Explain Und sie hat es geschrieben anlässlich einer Situation, wo Sie Ihrem Kind Ihrer Tochter kürfeindliche Gewalt erklären musste.

01:36:40: Das Gedicht ist auf Englisch.

01:36:41: ich würde erst auf Engelisch vorlesen.

01:36:44: also nicht das ganze Gedicht expliziert diese Gewalt teilweise auch sehr stark.

01:36:50: Diese Teile werde ich nicht vorlese sondern werde das Ende vorleset und zwar erst im englischen Original, dann in einer Übersetzung die ich selbst gemacht habe.

01:36:59: Und die bestimmt nicht der Weisheit.

01:37:01: letzter Schluss ist.

01:37:03: Ich hab überlegt ob ich das Gedicht mit reinnehme als Zitat sozusagen als Motto für das letzte Kapitel in meinen Buch?

01:37:11: Dann habe ich mich da dessen für Virginia Woolf's Tagebücher entschieden und seit dem beräuchte ständig.

01:37:18: Was mich davon abgehalten hat, war vor allem das Wissen dass ich dann noch eine Übersetzung selbst machen musste.

01:37:22: Es hat mich eingeschüchtert naja aber Eineinhalb Jahre später habe ich mich trotzdem überwunden.

01:37:27: ihr seid dann gleich die ersten die die Übersetzungen hören genau und Gott.

01:37:35: also ich könnte da ewig drüber reden Aber vielleicht ein Satz noch.

01:37:39: Ich hab euch jetzt den Entstehungskontext beschrieben.

01:37:42: ich finde aber wirklich auch dass es auch jenseits von schwarzen Feministinnen oder Feministen, oder Queers so ein universelles Elternproblem sehr gut auf den Punkt bringt.

01:38:34: So weil ich in Ostdeutschland lieber nicht davon ausgehe, dass alle Englisch können.

01:38:51: Und weil auch jenseits von Ostdeutschland nicht alle Englisch können, lese ich euch jetzt die Übersetzung vor.

01:39:02: Erklären!

01:39:31: Ich

01:39:57: danke euch nochmal seit ihr mit mir hier heute in diesem Deep Talk gewesen.

01:40:02: Wir könnten noch lange, lange sprechen.

01:40:05: Die Zeit schlägt aus Ende, sagt man das so?

01:40:12: Nein!

01:40:14: Ich sag's jetzt so.

01:40:15: Ich hab dir total abgenommen, ich hätte einfach gedacht... Ja,

01:40:18: ich weiß, ich habe diese natürliche Automikett.

01:40:23: Man glaubt mir meistens!

01:40:26: Nein es ist wirklich so.

01:40:27: wir sind am Ende dieser Veranstaltung und ich danke euch dass ihr mir glaubt das diese Themen hier in diesen Räumen wichtig sind, dass sie gesellschaftlich relevant sind und dass wir Verbindung schaffen Ja, und für uns einstehen und für andere.

01:40:43: Ich möchte noch sagen dass der nächste Deep Talk nicht im April sondern in Mai stattfindet am achtundzwanzigsten mit der Philosophin Shada Kurt.

01:40:53: Wir sind auch nicht online aber bald Und ich lade euch alle ein das wir jetzt noch uns austauschen und dass ihr am acht und zwanzigßen Mai wieder hier einfindet.

01:41:06: Geht Schauen, kinshipfestival.ch.

01:41:08: das war eine Vorveranstaltung und ich freue mich auf alles was da kommt und auf alles von euch kommt.

01:41:14: Danke Lisa Pascal und Chris.

01:41:16: großen Applaus nochmals!

01:41:19: Danke Mara.

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